Aus fast allen Titelseiten der Tageszeitungen jenseits des Rheines schaute am Mittwoch den 24. Februar das Gesicht einer jungen Frau, offen aber traurig und in Israel gleichzeitig das eines jungen Mannes, eher düster und verschlossen, zunächst in Haaretz, dann in allen Medien des Landes.

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Den Deutschen ist die Dame bekannt, sie ist fast eine Ikone, die entgegengesetzte von der eines Benedikt des sechszehnten. Margot Käßmann ist die Ratsvorsitzende der mächtigen protestantischen Kirchen jenseits des Rheins, wo die Protestanten mit 25 Millionen die größte religiöse Gruppe darstellen. Man kann sie auch Frau Bischöfin nennen und ihre Bedeutung und Eigenständigkeit damit unterstreichen. Umso mehr, als sie mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hält. Sie entrüstet sich über das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan, hat die Begnadigung der im Gefängnis sitzenden Baader-Meinhoff-Gruppenmitglieder verlangt und setzte sich mit ihrer Scheidung vielerlei Anfeindungen aus. Eine Gläubige, Mutter von vier Kindern, geschieden und Pazifistin, ja beinahe Terroristin, das ist schon alles andere als banal. Wenn dann noch Monseigneur, vielmehr Monseigneuresse auf frischer Tat alkoholisiert am Steuer ertappt wird, dann ist das garantiert nicht sehr passend.

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Am 24. Februar, Samstag Abend, gegen 23 Uhr, überfährt ein Auto eine Kreuzung bei Rot. Der Fahrer ist eine Frau, sie ist offensichtlich betrunken. Die Blutproben ergeben 1,54 Promille und bei unseren Nachbarn wie auch in Frankreich liegt der zulässige Grenzwert bei 0,5 Milligramm pro Liter Blut... Auf ihrer Webseite schrieb sie vor drei Jahren, als sie bereits Landesbischöfin war: "Bei vielen Fahrern gibt es offensichtlich einen Mangel an Verantwortlichkeit, was Alkohol und Drogen angeht. Bei den vielen Kilometern, die ich jedes Jahr abfahre. sehe ich viele Unfälle, die auf Missachtung der geltenden Regeln zurückzuführen sind. " Erschwerend fällt ins Gewicht, dass Margot Käßmann, als sie angehalten wurde, in ihrem Dienstwagen saß. Sie zeigte sich zerknirscht und reuevoll. Sie bezeichnete ihr Verhalten als unannehmbar und wehrte sich in keiner Weise gegen den einstweiligen Entzug ihres Führerscheins. Daraufhin stellten sich die 14 Mitglieder des Rates der Kirche wie ein Mann hinter ihre im Oktober 2009 zur Vorsitzenden gewählte Monseigneuresse...

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Hat Mosab Hassan Youseff etwa auch getrunken oder gekifft, als er sich entschloss, das "eigene" Lager zu verraten? Mit Margot Käßmann teilt er, dass auch er Christ ist, sogar ein fast allzu hingebungsvoller... Der 32 jährige, heute kalifornischer Bürger, ist der Sohn eines der Gründer von Hamas im Westjordanland, Sheikh Hassan Youssef. In den letzten zehn Jahren war er der Maulwurf der israelischen Geheimdienste im Zentrum der palestinänsischen islamistischen Bewegung. Sein Führungsoffizier hatte ihm den Namen "der grüne Prinz" gegeben, grün wie die Farbe des Islam, Prinz, weil er der Sohn eines Prominenten ist. Kapitän Loai zufolge seien durch Mosab Hassan Youssefs Tätigkeit zahlreiche Selbstmordattentate verhindert und eine ganze Reihe von Gallionsfiguren des palästinensischen Kampfs verhaftet worden, nicht nur Hamaskämpfer. Zu seinen Jagdtrophäen zähle auch Marwan Barghouti, Fatah-Anführer, noch immer im Gefängnis und eine vielversprechende Persönlichkeit, weil sowohl in Gaza wie im Westjordanland ein anerkannter Mann... Auch ein gegen seinen Vater gerichtetes Attentat habe er vereiteln können...

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In seinem dieser Tage erschienenen Buch "Sohn der Hamas" zeigt der junge Mann keinerlei Reue. Im Interview mit Haaretz setzt er sogar noch eins drauf: "ich wäre jetzt gern in Gaza. Ich wäre dort in der Uniform der israelischen Spezialeinheiten und ich würde Gilad Shalit befreien. Hamas ist unfähig, mit den Israelis Frieden zu schließen. Und der Hamasführer ist verantwortlich für den Tod der Palestinenser, nicht die Israelis!" Diese Enthüllungen kommen wie gerufen nach den Machenschaften der tappsigen Mossadleute in Dubai über die sich die ganze Welt mockiert...