JPEG - 65.6 kB

Im Land des perfiden Albion macht man sich dieser Tage aus vollem Herzen über Frankreich lustig, schadenfroh und leichtfertig... Zunächst ging der Schuss gegen unseren ehemaligen Präsidenten Valery Giscard d’Estaing los und gegen sein neuestes Opus, in dem in verschleierter Form von einer zurückliegenden Idylle mit Prinzessin Diana die Rede ist. Die Britten haben laut gelacht, wie es scheint, und von der Fantasie eines "alten Lüstlings" gesprochen. Über das literarische Talent des Autors haben sie sich nicht weniger mockiert als über seine virilen Erfolgserlebnisse. "Und wenn es stimmt?" schlägt der Figaro zurück, wobei er sich auf ein paar rätselhafte Bemerkungen von jenseits des Grabes stützt...

Ganz abgesehen von dieser Anekdote kann ich meinen englischen Kolleginnen und Kollegen nur sagen, dass nur wenige ehemalige Staatschefs nicht über vergangene Zeiten lamentieren und mit Bitterkeit merken, wie sie in Vergessenheit geraten. Besonders in Frankreich, wo der Staatspräsident quasi Heiligkeit genießt. Ich muss sagen, dass mir Valery Giscard heute mit seinen Groschenromanen und seinen regelmäßig wiederkehrenden Auftritten in der politischen Arena, wenn er dabei sein politisches Mandat aufs Spiel setzt, wesentlich sympathischer ist, als in Zeiten seines beinah königlichen Ruhms...

JPEG - 248.3 kB

Die zweite Zielscheibe war Dominique de Villepin (wir bleiben bei der richtig falschen Aristokratie französischer Prägung). Die Financial Times zeigt die schlanke Gestalt auf der Titelseite. Das weltweite Referenzblatt lässt auch nicht den kleinsten Fitzel vom Shakespear-würdigen Feuilleton Clearstream aus... Die Redaktion publiziert ihre Serie unter dem Titel "Intrige, Streit, Brudermord und Rachegelüste in der französischen Elite". Ben Hall, einer der Leitartikler der Zeitung führt eine leicht gallige Feder: "Warum soviele Affairen? Frankreich findet an nichts mehr Gefallen als an Intrigen und die mangeln nicht im Fall Clearstream. Das Land hält den Atem an, die Medien berichten ohne Unterbrechung. Eine Abrechnung zwischen einem schmucken ehemaligen Premierminister und einem amtierenden Staatspräsidenten ist ein garantiert erfolgreiches Theater (...) Monsieur de Villepin ist überzeugt, dass Monsieur Sarkozy alles getan hat, um ihn am politischen Aufstieg zu hindern, auch unter Missachtung der Gesetze. Tatsächlich ist des ersteren Karriere zu Ende, während letzterer die Szene in Frankreich beherrscht. Aber Rache ist ein kaltes Gericht..." auch vor dem Richter...

JPEG - 40.3 kB

Schließlich fehlt in der europäischen Presse und besonders in der Londoner auch nicht das Echo auf die Zerstörung der Slumstadt für Immigranten, für Menschen auf dem Weg zu ihrem Traumland Großbritannien, die man das Jungel von Calais genannt hat. Das war was man wollte, nämlich den Medienrummel. Aber anstatt damit bei unseren Mitbürgern auf der anderen Kanalseite Gefallen zu finden beklagen die sich meistens über die Brutalität des Akts. Mit Sicherheit am deutlichsten The Independent: "Erst greift die Polizei an, dann kommen die Bulldozer. Im Handumdrehen ist das Lager am Stadtrand von Calais verschwunden. Auf beiden Seiten des Ärmelkanals denken die Politiker, dass damit wenigstens für ein Jahrzehnt der Kampf mit der illegalen Einwanderung erleichtert wird. Wennn das nur so einfach wäre!" Der Leitartikler erinnert an die beiden Umstände, die derartige Trauerspiele unwirksam machen: die Gewalt, die in den Herkunftsländern herrscht und die Illusion, dass sich angesichts der ökonomischen und politischen Misere die Zuwanderungsflüsse kontrollieren ließen. "Man kann wilde Lager zerstören und mit verzweifelten Menschen überfüllte Schiffe zurückschicken, aber das ist keine Politik sondern nur der Ausdruck einer moralischen Pleite."

Dazu ein letzter Blick aus Belgien mit dem Auge von Kroll für Le Soir:

JPEG - 35.9 kB

info portfolio