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Es war ein Ereignis von beträchtlicher Bedeutung, dass jedoch in der westlichen Sphäre (beinahe) unbeachtet geblieben ist: die Begegnung, Ende letzter Woche von zwei Lenkern dieser Welt, eine vorsichtige Begegnung, die aber im Falle einer Einigkeit zu einem geopolitischen Ensemble von großem Gewicht führen könnte. Der chinesische Präsident Hu Jintao wurde feierlich vom japanischen Premierminister Yasuo Fukuda in Tokyo empfangen. Die letzte Reise eines Vertreters des Reiches der Mitte in das der aufgehenden Sonne liegt mehr als zehn Jahre zurück und fand fast heimlich statt... Die Nachricht machte sowohl in China wie in Japan Schlagzeilen, wurde aber beidseits des Meeres im Einzelnen unterschiedlich interpretiert... Für die Chinesen ist alles wunderbar und die anhängigen Konflikte werden mehr und mehr schlechten Zeiten von Gestern oder Vorgestern zugeschrieben. Die japanische Presse ist viel skeptischer: die strittigen Angelegenheiten wiegen schwer und trotz unbestreitbarer Fortschritte bleibt noch vieles ungesagt und weiterhin anhängig.

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Empfindliche Stellen liegen in nahezu allen Bereichen: die Verteilung der natürlichen Ressourcen im Osten des chinesischen Meeres; die Greueltaten in den chinesisch-japanischen Kämpfen im zweiten Weltkrieg (besonders die chinesischen Frauen, die zur Prostitution für die japanischen Soldaten gezwungen wurden oder die Massaker in Nanking); die Verseuchung von Millionen japanischer Verbraucher mit verdorbenen Ravioli aus Peking; und sogar das Schicksal tibetanischer Mönche... Jeder kam dem anderen einen Schritt entgegen: die Chinesen fordern keine Entschuldigung mehr für die Ausschreitungen in der Vergangenheit und die Japaner zügeln ihre Habgier in Sachen Gas aus dem Meer. Das gemeinsame Kommuniqué präzisiert, dass beide sich verpflichten "in einer gemeinsamen Vision des Orients eine neue Phase bilateraler Beziehungen (einzuleiten), unter der Bedingung, dass die Geschichte ohne Umschweife in Betracht kommt." Der Japaner wünschte den Chinesen alles Gute für die Olympischen Spiele. Das war drei Tage vor dem Erdbeben...

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In den Vereinigten Staaten interessierten sich zwei große Tageszeitungen in dieser Woche, anscheinend ohne sich abzusprechen, für die Sitten in Saudiarabien. Die New York Times für die männliche Seite, der Christian Science Monitor für die der Frauen. In einer sehr langen Reportage porträtiert erstere zwei junge Männer in ihrer Befangenheit im Regelwerk Mekkas was Liebe und Sexualität angeht... Einer ist klein und zierlich, der andere gibt sich dominant in seiner Männlichkeit; der eine zeigt sich romantisch und empfänglich für Frauenbelange, regt sich aber auf, wenn er eine von ihnen allein in einer Bar antrifft, auch wenn sie ein schwarzer Schleier bedeckt und von Kopf bis Fuß unsichtbar macht; der andere gebärdet sich als starker Mann, fördert jedoch die Treffen seiner Schwester mit ihrem zukünftigen Ehemann. Beide verwickeln sich in Widersprüche zwischen Ehrenkodex und Wünschen, zwischen einer vom Islam beherrschen Alltagssicht und westlichen Bildern die in Hülle und Fülle aus dem Satellitenfernsehen quellen...

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Der Christian Science Monitor interessiert sich dagegen für das erste Hotel ausschließlich für Frauen, das in Ryad eröffnet wurde. Mit der Frage im Hintergrund: ist das ein Fortschritt oder nicht? Das Etablissement selbst ist anheimelnd, parfümierte Kerzen auf den Gängen an jeder Ecke: Ausschließlich weibliches Personal, von den Technikerinnen bis zu den Zimmerfrauen. Bis jetzt konnten Frauen in Saudiarabien nicht allein reisen, nicht ohne männlichen Schutz. Von jetzt an mit Ausnahme in diesem neuen Palasthotel, allerdings müssen sie sich polizeilich melden. Die Kundinnen sind geteilter Meinung: für die einen handelt es sich um einen Fortschritt: Frauen können endlich ihren Geschäften nachgehen, ohne von Männern kontrolliert zu werden. Für die anderen verstärkt das neue Hotel noch die Trennung der Geschlechter in einem Land, in dem Frauen noch immer nicht Autofahren dürfen... Sie fürchten, dass solche Einrichtungen einer Änderung der Gesetze abträglich sind.