JPEG - 331.2 kB

In Australien war für die Frauen diese Woche fruchtbar. Am Samstag beglückwünschte sich die Presse wegen der Nominierung von Kay Goldworthy zur Bischöfin, was eine Premiere ist. Und am Montag applaudierte das ganze Land Mme Quentin Bryce anlässlich ihrer Wahl zur zukünftigen Generalgouverneurin von Australien, in das höchste Amt dieses Staates, ebenfalls ein kühner Streich.

Eine 51jährige Frau, Mutter von Zwillingen, räumt die letzte patriarchalische Hürde der australischen anglikanischen Kirche beiseite. Übrigens nicht ganz ohne Widerspruch: auch wenn die Mehrheit der Diözesen seit etwa zwanzig Jahren den Frauen den Weg ins Pfarramt geöffnet haben, es bleiben ein paar Unverbesserliche wie das sehr reiche Bistum von Melbourne, die der neuen "Monseigneurin" die Anerkennung versagen. Die Dame im sehr hübschen dunklen Pastorenkostüm mit gut sitzendem weißem Kragen ist jedoch voller Freude: "Ich hoffe wirklich, dass das ein Signal für alle Frauen ist, die sich von Gott zum Pfarramt berufen fühlen, dass sie in ihrer Berufung nicht zögern und sich vorstellen können, eines Tages zu höchsten Würden zu gelangen, ohne Pauken und Trompeten."

JPEG - 233.3 kB

"Der Gang der Geschichte". Mit diesem Titel haben die meisten Tageszeitungen die andere Wahl begrüßt, die eines echten Gewächses der australischen Erde, aus dem tiefsten Busch, zum Generalgouverneur, also zur Vertreterin der Königin von England in diesem Staat, der noch immer Mitglied des Commonwealth, gleichgestellt im Rang dem Präsidenten einer Republik. Sie setzt damit einer 107jährigen männlichen Herrschaft in einem Mandat ein Ende, das weit mehr ist als nur ein Ehrenamt. Tatsächlich sind die Machtbefugnisse der zukünftigen Generalgouverneurin in vielen Bereichen sehr ausgedehnt, sowohl verfassungsmäßig (sie ernennt die Obersten Richter), als in der Legislative (sie beruft das Parlament ein und löst es auf) und in der Exekutive (sie hat den Vorsitz im Ministerrat). Die 65jährige ehemalige Rechtsanwältin , Mutter von fünf Kindern und Großmutter von fünf weiteren, die bekannt ist für ihre früheren Kämpfe für feministische Ziele jubelt: "Diese Tage machen den Frauen und Mädchen in diesem Land klar, in Zukunft könnt ihr tun und sein was ihr wollt! " Der australische Premierminister, Kevin Rudd von der Arbeiterpartei, der eigentliche Inhaber der politischen Macht, ganz wie im europäischen Mutterland, begrüßte den endgültigen Eintritt Australiens in die Moderne. Wann jeodch wird der Premierminister aus den Reihen der Aborigines kommen? Auch stellt man fest, dass die beiden Erwählten dieser Woche sich ähneln: schlanke Gestalten, gleicher Haarschnitt, gleiches selbstbewußtes Lächeln. Kurzum, ein positives Frauenbild.

JPEG - 798.2 kB

Sehr, sehr anders als diese klaren, eleganten Modelle, machte eine andere Frau in der ehemaligen Kronkolonie Schlagzeilen. Sue Telly, heute 51 Jahre alt (wer sagts: wie unsere Madame Bischöfin) figurierte in der Financial Times. Für das, was sie vor 13 Jahren war. Oder vielmehr für die Interpretation dessen, was sie damals war, aus der Sicht und durch den Pinsel eines der bekanntesten Künstlers der Gegenwart. Der Maler der Fleischeslust und der ungeschönten Nacktheit fühlt sich seiner Leinwand "Die Wohltat des Schlummers einer Wächterin" noch immer besonders verbunden.

JPEG - 55.1 kB

Bis jetzt war sie als Eigentum eines privaten Sammlers dem Publikum nicht zugänglich. Bei der Versteigerung am 13 Mai in New York wird sie wohl alle Rekorde schlagen, der Preis wird der höchste sein, der jemals für das Werk eines noch lebenden Künstlers gezahlt wurde. Lucian Freud, Enkel von Sigmund, war begeistert von dem Modell, dass ihm der Australier (noch einmal: es lebe das Commonwealth) Leigh Bowery empfohlen hatte. Eine Frau im Maßstab ihrer Maßlosigkeit. Und schön. Und bestimmt würde sie dem Großvater zu denken gegeben haben...