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In diesem Sommer haben mich die Parkettflöhe heimgesucht. Der Parkettfloh ist ein derartiges Desaster, dass einem der gewöhnliche Floh beinahe sympathisch wird. Der Parkettfloh ist dunkelbraun, im Gegensatz zum liebenswürdigen kleinen schwarzen Floh. Wenn Sie morgens aufwachen und dreissig Sekunden später ihre Füße ansehen und sie braun sind, obwohl sie sich nicht erinnern können, Socken angezogen zu haben: Kein Zweifel, Sie sind befallen! Dann kommt die Allergie und Sie tanzen ein paar Tage lang ihren Veitstanz. Sie begeben sich ihrer guten Vorsätze in Sachen Umwelt und ergeben sich einer Logik gnadenloser Extermination: bewaffnet mit Sprüh- und Rauchbomben und anderen Dampferzeugern, ohne Mitleid und manchmal sogar mit Glücksgefühlen. Bei mir hat der Parkettfloh eine Welle des Mitleids mit allen Opfern von tierischen oder planzlichen Springfluten ausgelöst.

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Da sind erstens die Japaner, die von Blutegeln aus den Bergen heimgesucht werden. Der gegenwärtige Feind, berichtet Asahi Shimbun, heißt Yamabiru und ist etwa 1,5 Zentimeter lang, kann sich jedoch bei seinen morgendlichen Turnübungen bis auf 7 Zentimeter ausdehnen. Die Yamabirus haben fast die ganze Insel erobert und verursachen einen Schaden ohne Ende für Landwirtschaft und Turismus. Die Bauern bearbeiten ihre befallenen Reisfelder nicht mehr, und die Turistenzentren sind verwaist. Die Mönche aus dem Adogawa-Tal waren Vorposten und erste Zeugen der neuen Pest: Vor zehn Jahren fing es an, sagt einer von ihnen, der achtzigjährige Joki Kuzuno: "Manchmal waren meine Gamaschen rot vor Blut, wenn ich von einem Spaziergang nach Hause kam."

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Die Behörden machten alsbald die Schuldigen dingfest: dahinter steckt ein einziger Marionettenspieler, der Mensch: die wildlebenden Tiere, wie das Damwild oder die Wildschweine, sind die Träger der Larven und waren gezwungen, sich ihre Nahrung immer näher an den Wohngebieten zu suchen; die Wälder und die Pufferzonen zwischen zivilisierter Welt und Wildnis wurden schlecht gepflegt; das Klima wird wärmer. Die Bewohner Nippons sind sich uneins, was die Heilmittel angeht, die richten nämlich zum Teil, wie etwa die Pestizide, mehr Schaden an als das Übel gegen das sie eingesetzt werden. Jedenfalls aber redet zurzeit das ganze Land von einer Lösung des landesweiten Problems.

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Auch die Behörden in Quebec sind geteilter Meinung, was den Kampf gegen ihre lokale Plage angeht: das Flohgras, bekannt auch unter dem hübschen Namen Ambrosia trifida. Der Le Devoir ist die jahreszeitliche Polemik zwischen den ökologiebewußten und den Verfechtern harter Maßnahmen nicht entgangen. Einer von zehn Einwohnern in Quebec leidet an Allergie in Folge von Flohgras, an asthmatischen Anfällen, manchmal mit Todesfolge. Zig Vereinigungen betätigen sich im Internet an Diskussionsforen oder stehen beratend und pflegend den Opfern bei.

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Die gelbe Pflanze - gelblich sagen verachtungsvoll ihre Feinde - blüht im Juli bevor sie gegen Ende des Sommers ihre dämonischen Pollen freigibt. Sie ist widerstandsfähig und gedeiht in den unmöglichsten Ecken der modernen Welt, in den Ritzen der Bürgersteige, in einem Felsspalt oder auf Bahndämmen. Vereinigungen von Betroffenen klagen ihre Politiker an, dass sie sich der Ausdehnung und der Kosten dieser regelmäßig wiederkehrenden Katastrophe nicht bewußt seien, wobei es doch genügen würde, die Pflanze vor der Blüte auszureißen, oder konkurrierende Gewächse auszusäen, wie Rispengras, Klee oder Hirse (die man gegebenenfalls auch noch ernten und zum Waffelbacken verwenden könnte...).

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Endlich ist auch die Chikungunya wieder da , aber diesmal weit entfernt von den Tropen wo ihr Träger, die Aedes albopictus, ihre Verbreitung hat. Tageszeitungen im italienischen Nordosten, wie der Corriere de la Serra, schlugen zuerst Alarm. Nicht weniger als 160 Fälle (zum Glück weder ein tödlicher, noch ein besonders schwerer) wurden in der Umgebung der schönen Stadt Ravenna registriert. Ein Reisender aus Indien, der nach Mailand kam, sei Schuld an dieser Weltpremiere außerhalb der bekannten Seuchengebiete. Die Metapher vom globalen Dorf, erstmals 1962 von dem Kanadier Marshall McLuhan gebraucht, ist hier, an der Front feindlicher Armeen des Mikrokosmos ganz einfach unerbittliche Realität.