Fassen wir zusammen: rechts von mir ein Spion der modernen Art, der, wenn nicht für die ganze Menschheit, wenigstens für einen Teil derselben zu arbeiten glaubt. Zu meiner Linken ein fanatischer Apokalyptiker, mutmaßlicher Täter mörderischer Anschläge. Ersterer riskiert lebenslanges Gefängnis, letzterer schiebt weiter seinen Karren.

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Schauen wir uns im Licht der israelischen Presse den ersten Fall genauer an. Vom Aussenminister über den Mossad bis zum Premierminiter beteuert alles was in Israel Autorität hat lautstark seine Unschuld. Wie bitte? Ein weiterer amerikanischer Offizier, der für uns spioniert? Ben Ami Kadish? - nie gehört! Die Zeitungen, ihrerseits verkündeten lautstark ihr Erstaunen. Aber weshalb denn? Weshalb würde Israel denn seinen grossen westlichen Freund, der ihm so nahe steht, ausspionieren? Noch dazu in den 80ziger Jahren, als auch nicht der geringste Schatten auf die Beziehungen der beiden Länder fiel? Aber Tatsache ist: nach der Affäre Jonathan Pollard, die 1985 das wechselseitige Vertrauen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten störte, haben wir jetzt den Fall Ben Ami Kadish. Er wurde am Dienstag den 22 April verhaftet und legte umgehend ein Geständnis ab: ja, er hat von 1979 bis 1985 den israelischen Geheimdienst unterrichtet, während er als Ingenieur in der amerikanischen Armee arbeitete.

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Wie bei Johnathan Pollard, der zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt wurde und noch immer im Gefängnis sitzt, scheint die Motivation für die Spionagetätigkeit nicht Geld gewesen zu sein, sondern ein ideologisches Motif, das der Sicherheit des Staates Israel. Wie in der guten alten Zeit des kalten Krieges bei manchen sowjetischen Agenten. 1979-1985 ist im übrigen genau die Periode der Perestroika und des Umschwungs in der UdSSR, die Zeit vor der Invasion des globalen Terrorismus. Der Leitartikler von Haaretz stellt sich jedoch auf den Standpunkt von heute und ermisst den Schaden, den diese neue Spionageaffäre anrichten könnte: "Eine merkwürdige Gegenseitigkeit charakterisiert nach wie vor die Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten." Ein Pas-de-deux, ein steter Tanz zum Lied "ich liebe Dich - ich auch nicht".

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In Indien, dem Subkontinent, wie das grosse Land auch genannt wird, meldet der Telegraph, sind die Geheimdienste in einen Skandal um verschwundene Pässe verwickelt und anschliessend in die Vertuschung des Skandals. 500 leere Pässe, die aber schon in aller Form abgestempelt waren, sind im Konsulat von Dubai abhanden gekommen. Damit lassen sich reihenweise gültige falsche Papiere ausstellen, die durch nichts als falsche zu erkennen sind. Jetzt läuten in allen Konsulaten auf der Welt die Alarmglocken. Bei einer derart sensiblen Region wie der von Dubai kann man sich fragen, in welchen Händen diese kostbaren "Sesam-öffne-dich’s" wohl landen werden? Und mit Hilfe welcher Komplizenschaft wurden sie den indischen Konsularbehörden entwendet? Die indischen Geheimdienste haben vesucht, die Angelegenheit zu vertuschen, weil sie die Antworten teilweise kennen.

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Die Papiere konnten nur mit dem Einverständnis von hochstehenden Angehörigen des Konsulats verschwinden, weil man erst ab einem gewissen Rang Zugriff hat, vorallem wenn es sich um gebrauchsfertige Papiere handelt. Und im Übrigen scheint es, dass ein Teil der Pässe an einflussreiche Mitglieder der Familie Dawood, Blütenpflanze der islamistischen Maffia abgegeben wurde. Einer der Söhne dieser Familie, Ibrahim, ist der meistgesuchte Mann des Landes. Grund: Beteiligung an dem äusserst mörderischen Attentag von Bombay 1993 (253 Tote) und an weiteren Anschlägen. Dieser Pate, der al Qaida nahesteht, hat das traurige Privileg, auf der amerikanischen Liste der "Massenterroristen" zu figurieren und soll in Pakistan, dem großen Verbündeten Amerikas Zuflucht gefunden haben. Oh wie faszienierend bis du doch, Paradoxon...