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Während ein paar kräftige, männliche Treter, eine Art Wander- oder gar Arbeitsschuhe , Schlagzeilen machen, macht die Londoner Times mit schwarz-roten Sandalen auf. Einerseits also der neue Held moderner Zeiten, Muntazer al-Zaidi, der nämlich, der dem amerikanischen Präsidenten seinen Schuh ins Gesicht geworfen und für diesen "Coup" verurteilt wurde, wurde aus dem Gefängnis entlassen, zur Freude aller seiner Fans weltweit und aller Zeitungen im Mittleren Orient.

Andererseits eine Londoner Tageszeitung, die zum nämlichen Datum ihre Titelseite einer ernsten Problematik der öffentlichen Gesundheit widmet: den hohen Absätzen!

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Seit 1868 trifft sich in England einmal jährlich der Gewerkschaftskongress, der TUC, Trade Unions Congress und klärt ab, welche Kämpfe anstehen, um welche neuen Rechte es gehen soll. Das Ereignis ist so bedeutsam, dass kein Premierminister es wagen würde, nicht zu erscheinen. Also schickte sich die erlauchte Versammlung am letzten Dienstag, dem 15. September an, Gordon Brown zu hören. Damit die Wartezeit nicht zu lang wurde, stiegen zwei Delegierte aufs Podium und lancierten einen bewegenden Appell: "Schluss mit hohen Absätzen"! Lorraine Jones von der Podologenvereinigung trug flache Pantoffel und geisselte erst einmal Industrie und Handel, die Frauen zwängen auf Stelzen zu gehen, Verkäuferinnen etwa oder Stewardessen. "Wenn solche Schuhe an anderen Füßen, zum Beispiel denen von Männern, sitzen würden, würde das niemand dulden."
"Das ist kein triviales Problem", schloss sie: "Zwei Millionen Arbeitstage gehen jedes Jahr wegen Bein- und Fußproblemen (Hornhautbildungen, Hühneraugen, Meniskuszerrungen, Bandscheibenschäden) verloren." Zwei Millionen Arbeitstage entsprechen in der Wirtschaft 300 Millionen Pfund Sterling oder 338 Millionen Euro, rechnen uns Suzy Jagger und Will Pavia, die Autoren des Beitrags in der Times vor.

Prompt hat die Fluggesellschaft Virgin Atlantic offiziell dementiert, dass sie ihre Stewardessen zwänge, Schuhe mit hohen Absätzen zu tragen: "Manche mögen ja die Passagiere in solchen Schulen empfangen aber die Mehrheit trägt auf dem Flug schon aus Sicherheitsgründen notwendiges und wesentlich bequemeres Schuhwerk". Soviel dazu.

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Dieser Streit, der sich feministisch gibt, gilt erst einmal einem schwarzen Schaf der Rednerinnen, der Tory-Abgeordneten Nadine Dorries. Mary Turner, die Präsidentin der GMB, einer der größten Gewerkschaften jenseits des Ärmelkanals, klagt die Abgeordnete an, das arbeitende weibliche Geschlecht zu verraten, wenn sie vor ihren männlichen Kollegen auf sehr, sehr hohen Absätzen einherstolziert. "Wenn Sie es nötig haben, vor ihresgleichen in unverschämt teuren Sandalen zu stolzieren, ist das ihre Sache. Unsereins will aber unverbogen auf beiden Füßen stehen!" Die Parlamentarierin verteidigt sich: "Ich bin so klein, ohne meine Absätze findet mich niemand mehr. Ich messe kaum einmetersechzig... ich würde den Tötungsinstinkt der dominanten Männchen, der Parlamentsmehrheit, nur noch fördern."

Die Diskussion ist eröffnet!

Wir können den Akteurinnen weiteren Diskussionsstoff liefern: ein Erlass des (französischen) Staatsrates verurteilt die Pariser Transportgesellschaft zu Schadenersatz für Passagiere mit Fußverletzungen ... durch Stöckelschuhe.