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Nach tagelangem Hin und Her, mach ich weiter, mach ich nicht, wem nützts? warum immer so weiter? fang ich wieder an. Sagt man nicht: "Ist der erste Schritt einmal getan..." Ich mach mich in aller Ruhe wieder an die Arbeit, durchblättere faul die Zeitungen, überfliege die Titel: Rentenalter, unwürdige Lebensverhältnisse der Roma, Aufrufe zur Inquisition, zum Autodafé...

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Und richtig fallen mir zwei beinahe gleiche Titel ins Auge, in Luxemburg und in Deutschland, ein Sujet, das Vielen entgangen zu sein scheint: Laborexperimente an Tieren. Das Europäische Parlament ist unablässig tätig, unsere Abgeordneten sind fleißig bei der Arbeit, was uns sehr wohl freut: sie verabschieden ohne Unterlass eine Entschließung, ein Gesetz, Empfehlungen, zumindest mehrere Abstimmungen jeden Tag. Und eben an diesem 8. September 2010, haben sie schließlich, nach zwei Jahren stürmischer Debatten, einen Gesetzestext zur Begrenzung der Tierexperimente in Europa verabschiedet.

Die Tribune de Genève, die des längeren dazu schreibt - das Interesse an der Frage verbreitet sich rheinaufwärts...- meint: "der Text scheint vom Grundsatz der "drei R" auszugehen: reduce, refine, replace (Reduzieren, Spezifizieren, Ersetzen). Er schreibt vor, dass Tierexperimente nicht stattfinden dürfen, wenn alternative Methoden in Frage kommen. Falls nicht, sollten zweckmäßig gezüchtete Tiere bevorzugt verwendet werden. Der Text hebt auch hervor, dass "den Tieren zugefügte Leiden und Schmerzen auf ein Minimum zu reduzieren sind".

Es ist jedoch die Berliner grüne Tageszeitung, die sich am meisten mit der Problematik beschäftigt hat, quasi lyrische aber letztendlich sehr kritische Töne anschlägt: "Ghandi hätte gesagt: Du erkennst die Kraft und den Wert einer Nation daran, wie sie ihre Tiere behandelt. (.../...). Aber trotz aller Fortschritte fürchten die Experten, dass die Zahl der Labortiere auch weiter steigen wird. Derzeit finden mehr als 12,2 Millionen Tiere jährlich in den Laboratorien der EU Verwendung. Dank des neuen Gesetzes werden deren Lebensbedingungen jetzt regelmäßig geprüft, insbesondere durch unerwartete Inspektionen.

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Aus der Voix du Luxembourg erfährt man, dass vorallem die Nagetiere das Gros der Laborbataillone ausmachen. Aber auch Hunde werden gern benutzt, während die Affen in Zukunft aus dem Experimentierfeld verbannt werden. Die Parlamentarier geben den Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit, die neue Gesetzeslage (die noch immer nicht wenige Ausnahmen zulässt) umzusetzen. Vorallem im Osten des Kontinents scheint da noch einiges im Argen zu liegen...

Es wird weiter unvermindert heftig gestritten. Die Grünen setzen sich für die Entwicklung von Experimentieralternativen ein, zum Beispiel in Sachen menschlicher Stammzellen, während Christen kein Mikrogramm oder Atom menschlicher Substanz opfern wollen. Ganz abgesehen von den derzeitigen Platzhaltern auf dem Markt, die Angst haben, dass der Streit ganz und gar ausufert. Also: eine Frage mag noch so einmütig bejaht scheinen - jede/r ist doch gegen grausame Behandlung von Tieren, nicht wahr? - die üblichen Spaltungen und Gegensätze zeigen sich dennoch.