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Äußerlich gesehen war es eine kleine Demonstration von nicht mehr als 5000 Leuten. Aber bei näherem Hinsehen sind 5000 Menschen in einem winzigen Land schon ziemlich beeindruckend, zumal wenn ihr Ärger groß ist... Wütend waren die Demonstranten, Männer, Frauen und Kinder, am 17. August vor der Residenz des Premierministers in Jerusalem. Ihre Wut richtete sich gegen die Entscheidung, die Einwanderung äthiopischer Juden zu stoppen. Das Echo des Auflaufs in der israelischen Presse hier, weit weg von Peking und Tbilisi, war groß. Am 6. August waren die letzten 65 Passagiere aus Addis-Abeba in Israel gelandet. Dann hatten die Behörden erklärt, das Heimkehrgesetz sei hinfällig für sie, weil angeblich alle Juden aus Äthiopien "heimgekehrt" seien. In dreißig Jahren waren das einige 120 000 Falasha, die sich im gelobten Land niederließen, oft unter sehr schwierigen Integrationsbedingungen (der Rumäne Radu Mihalleanu hat dazu den sehr schönen Film , "Geh hin, sieh und werde" gedreht).

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Anscheinend warten zur Zeit 8700 potentielle Heimkehrer/innen in Lagern im Norden Äthiopiens. Aber bei Nachfrage und Ablehung geht es um das ewige Identitätsproblem der Wurzeln und Ursprünge, das manchmal andere, viel näher liegende Fragen verdeckt. Die Einwanderungswilligen seien Falash Mura, das heißt Nachkommen von Juden, die, weil ihr Leben bedroht war, zum Christentum konvertiert sind. Ähnlich wie die europäischen Maranen, hätten sie die Riten ihrer alten Religion beibehalten. Da die Lebensbedingungen in Äthiopien sehr hart sind, sehen sie sich um so mehr als Israelis. Doch die Behörden erkennen sie als solche nicht an und meinen, sie verhinderten damit eine illegale Immigration aus wirtschaftlichen Gründen.

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Während Familien auseinander gerissen werden, leistet man sich über die Presse einen ausgedehnten theologischen Streit: für bestimmte Leute ist das Heimkehrgesetz gültig, andere müssen draußen bleiben. Muss man nicht zugeben, dass die Selektionskriterien schwer zu verstehen sind, wenn in ein und derselben Familie und Sippschaft eine Mutter und ihre Töchter einreisen dürfen, jedoch nicht der Vater und seine Söhne?