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Jacques Chirac, der vorige Präsident Frankreichs, bekannte sich zu seiner Leidenschaft für die japanischen Sumokämpfer. Zweifelsohne stimmen ihn die beiden bedauerlichen Geschichten, die Asahi Shimbun diese Woche brachte, tieftraurig. Es hat lange gedauert, bevor sie ans Licht kamen, länger als ein Jahr, weil die obersten Verantwortlichen für die Wettkämpfe der dicken Ringer sie verheimlichten, trotz aller Ritualisierung, trotz ausgeprägtem Regelwerk und umfassendem Ehrenkodex. Es geht um zwei Fälle von Gewalt gegen zwei junge Sumoschüler, von denen der eine an den Folgen seiner Verletzungen gestorben ist. Tokitaian, 17 Jahre alt, ist schon fast ein Jahr tot. Endlich hat die japanische Sumovereinigung (AJS) verlautbaren lassen, dass der 55 jährige Magaki, Leiter einer Sumoschule und Mitglied im Direktorium der AJS, einen seiner Schüler mit einem Bambusrohr derart geschlagen hat, dass dessen Beine von Hämatomen bedeckt waren, und innere Blutungen zum Tod führtem. "Er hat sich schlecht aufgeführt", mit diesem Satz rechtfertigte Magaki seine Bestrafungen während eines nationalen Sumoturniers. Die Kampfrichter haben die vielen blauen Flecken wohl bemerkt, aber keiner hat den Mund aufgemacht...

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Der zweite Sumokämpfer hat bei einer anderen wichtigen Wettkampfveranstaltung im Januar Schläge auf den Kopf erlitten. Ein Mitglied der Jury der "zweiten Liga" hat sie ihm mit einer großen Kelle beigebracht. Der junge Mann hatte eine 7 Centimeter lange Kopfwunde, er war derart terrorisiert, dass er seinem Trainer nichts gesagt hat. Toyozakura, der gewalttätige Kampfrichter, rechtfertigte sein Verhalten so: "der junge Wettkämpfer zeigte keine gute Haltung". Die japanische Tageszeitung berichtet, abgesehen von den Tatsachen, zweierlei: zum einen hätte die AJS die Vorkommnisse weiter verschwiegen, wenn nicht eines ihrer Mitglieder sie anonym bekannt gemacht hätte; zum anderen, dass solche Praktiken in der sehr besonderen Sumowelt gang und gäbe sind. Zahlreiche Schulvorsteher korrigieren die Fehler ihrer Schüler mit dem Rohrstock, aber normalerweise zeigen sie auf die Mawashi, die Sumogürtel, die bei den Wettkämpfen getragen werden. Aber nicht wenige benutzen den Stock in anderer Absicht, nämlich zu körperlichen Züchtigungen. Magaki erklärte den Journalisten: "ich bin keineswegs zu weit gegangen: die Schüler müssen notwendigerweise hart behandelt werden, wenn sie etwas falsch machen". Im Übrigen hat in beiden Fällen niemand von den Anwesenden reagiert. Jetzt werden die beiden Ausbilder wegen absichtlicher Köperverletzung und die anwesenden Schüler wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt.

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Wir bleiben in Asien. Auch in Indien stand Sport an diesem Wochenende auf den Titelseiten. Trotz oder eher wegen der mörderischen Bombenanschläge im Nordwesten des Subkontinents, in Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans, ein paar Tage zuvor. Im Stadion dieser Stadt fand das Halbfinalspiel im Kricket statt, in diesem indischen Nationalsport par exellence, einem Erbe der britischen Kolonisation. Die trauernden Spieler und Anhänger der Rajasthan Royals hatten beschlossen, alle Äußerlichkeiten auf ein Minimum zu beschränken, aber massenhaft teilzunehmen, um den Terroristen, - wie es scheint von Islamisten unterstützte Bengalen, die 60 Menschenleben auf dem Gewissen haben - zu zeigen, dass das Leben ihre Taten überwindet. Eine der großen Tageszeitungen Bombays titelte: "Beifall nach den Tränen. Kricket fegt Terror hinweg". Der eigens entsandte Korrespondent steigerte sich in einem lyrischen Artikel zu dem Satz: "Mit Beginn des Spiels war das einzige von uns noch gehörte Explosionsgeräusch, dasjenige der Schläge auf die Bälle." Die Mannschaft von Jaipur gewann gegen die Bangalore Royal Challengers aus dem Süden des Landes... Sie gewann gleichzeitig ein anderes Spiel, ein politisches, das des Lebens...


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