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Sind Sie Internet-, Handy- oder Digitalfoto-süchtig? Falls Sie zögern, nein zu sagen, empfehle ich Ihnen La Vanguardia zu lesen, das erstklassige Tagesblatt aus Barcelona. Die Zeitung hält das Problem für so ernst, dass sie es auf die Titelseite bringt: die Leidenschaft für die neuen Technologien hat ihre Suchtopfer. Psychologen warnen vor der neuen Krankheit, die mit Verhaltensstörungen einhergeht: Einsamkeit, Frustration, Rückzug auf sich selbst und Schwierigkeiten, sich mitzuteilen. Die Maschinen der Virtuellen Welten sollen tatsächlich Allmachtsgefühle hervorrufen, unmittelbare Befriedigung vermitteln und damit der Abhängigkeit die Tore öffnen. Auch entsteht die Illusion unerschöpflicher Kraftquellen, die immer weiter in schwindelnde Unendlichkeit treiben, bis man die ganze Welt zu beherrschen glaubt.

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Ich muss gestehen, dass mir die Lektüre des Artikels von Maite Gutierrez persönlich Sorge gemacht hat. Tagtäglich im Internet surfen um dieses Blog und die Sendung Kiosque zu füttern und wöchentlich die Früchte in die ganze Welt schicken - bin ich nicht dabei, mich selbst als Herr (oder sollte ich statt Maître besser Maitresse sagen) der Welt zu sehen? Zum Glück hat mich ein Kasten zu den vier Hauptcharakteristika von Technojunkies beruhigt: snobistisch, scheu, besessen und selbstzerstörerisch. Ohne Frage - dies alles bin ich nicht...

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Sind Sie vielleicht, im Gegenteil "tech-no"? Die amerikanische Tageszeitung USA Today schreibt, dass sich jenseits des Atlandik die Widerstandsbewegung formiert. Die "tech-no’s" sind diese komischen Heiligen, die noch immer und immer wieder den Eindringlichen widerstehen, dem Handy, dem Komputer, dem Internet, der digitalen Welt. Umgedrehte Besessene oder Neo-Junkies der Technologie? Können Sie mir folgen? Die Journalistin Janet Kornblum hielt den Atem an, als sie diesen Unverbesserlichen (oder eben konvertierten und daher mehr als überzeugten) begegnete, die nicht "in" sein wollen. Unter ihnen dynamische Manager/innen, Künstler/innen, Psycholog/inn/en, junge Student/inn/en ebenso wie Hochschulabsolvent/inn/en, die perfekt umgehen können mit allem, was sie da ablehnen. Sie wollen, sagen sie, ihr Leben wieder in den Griff bekommen angesichts von ausufernden Nachrichtenflüssen von nirgendwo, von Ängsten, oder auch im Hinblick auf jenen planetarischen, oder gar Weltraum-Schwindel... Eine Hassliebe, eine Ablehnung zu der sie sich stolz bekennen, vielleicht mit einem Anflug von Snobismus. Also Snobs wie die Technojunkies? Wir sind wieder da, wo wir waren...

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Wenn man The Independant, der britischen Tageszeitung für Aufsässige aller Schattierungen, glauben möchte, ist den neuen Technologien nicht nur mit persönlicher und selbstzufriedener Ablehnung zu begegnen, sondern es muss sich dringend eine allgemeine Gegenoffensive formieren. So sehr sieht Nigel Morris, der Autor des Berichts, die Freiheit bedroht. Premier Tony Blair kündigt tatsächlich Maßnahmen im Hightechbereich zur Bekämpfung aller möglichen Plagen an. Damit wird Großbritannien das Land der bestüberwachten Bürger: Zentralkomputer im Innenministerium der möglichst alle persönlichen Daten aufnimmt und im Kampf für Sicherheit und gegen Terrorismus auswertet; Registrierung des genetischen Fingerabdrucks für jede/n vom Staat erfassten Erwachsene/n; verstärkte Videoüberwachung (schon jetzt kontrollieren 4,2 Millionen Videosysteme das Land); Durchforstung der persönlichen Gesundheitsdaten aller Bürger auf der Suche nach Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen; obligatorischer Personalausweis (eine Revolution in einem Land, das sich über Jahrhunderte dieser Neuerung verweigerte); obligatorische Satellitenortung für Autofahrer... Kurzum die Engländer sind "in" und ohne Frage "in" der besten aller Welten.

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Ist Gordon Brown, der neue Chef der britischen Labourpartei , mehr als "in"? Der Daily Telegraph beschuldigt ihn der Schidzophrenie - nicht mehr und nicht weniger. Dem konservativen Blatt zufolge ist er in letzter Zeit eher "out" - neue Wirklichkeiten erscheinen am Horizont: dem Land droht eine "Balkanisierung" mit der Unabhängigkeit Schottlands. Das Parlament dieser (wundervollen) Gegend wird am 3. Mai neu gewählt und die separatistische schottische Nationalpartei hat Aufwind. Das ist auch unseren schweizerischen Kollegen von Le Temps nicht entgangen. Die Konservativen werfen Gordon Brown vor, dass er einerseits in bewegenden Worten an die Einheit appelliert und andererseits Sympathie für das "Schottische" zeigt - ein Zwiespalt, dem sich dieser Schotte wohl kaum entziehen kann. Auf jeden Fall steht nicht nur Frankreich ein heißer Frühling bevor...