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Das Bild ist spektakulär, man versteht warum amerikanische und koreanische Tageszeitungen es auf die Titelseiten gesetzt haben. Zwischen den Wolkenkratzern von Seoul fließt ein unendlicher Lichterstrom über eine der großen Arterien der Hauptstadt (von Südkorea). Zehntausende marschieren, eine Kerze in der Hand, zu allem bereit, auch zur Gewalt. Ganz zu schweigen von all den anderen, die nicht auf die Straße gegangen sind, aber zu hunderttausenden eine Petition im Internet unterzeichnet haben. Eine Mischung aus Angst und Nationalismus, Antimondialisierung in neuer Gestalt, hat zu diesen monströsen Demonstrationen und zu den zahllosen Reaktionen im Internet geführt. Der neue Premierminister, Lee Myung-Bak, ein echter Konservativer, der die freundschaftlichen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten wiederherstellen wollte, speziell mit einem Freihandelsvertrag, hat die Wiederaufnahme der Rindfleischimporte aus den USA angekündigt.

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Seit einem Verdachtsfall von Rinderwahnsinn, verursacht durch Rindfleisch "made in USA" vor fünf Jahren, waren die Rindfleischimporte unterbrochen. Jetzt hat ein Fernsehkanal diesen Flächenbrand ausgelöst. Genau zu dem Zeitpunkt, als die Regierung einen dem Anschein nach für beide Seiten vorteilhaften Handelsvertrag verkündete, bestätigte MBC, dass 94% der Koreaner leichter als die meisten Westler an der Creutzfeld-Jakob-Krankheit erkranken. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge ist jedoch das Risiko in den Vereinigten Staaten heute inexistent und die koreanische Regierung verspricht den asiatischen Verbrauchern deutlich billigeres Fleisch.

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Eine feinsinnige Erklärung für das Eskalieren der Situation hat die Washington Post parat. Nachdem sie die koreanische Reaktion mit der amerikanischen nach der Entdeckung des als giftig bezeichneten Spielzeugs aus China, das im letzten Winter in den Vereinigten Staaten eine Panik auslöste, verglichen hat, meint sie, solche Massenreaktionen, verstärkt durch ein Dosis Protektionismus seien eine unmittelbar Folge gesellschaftlicher Entwicklung. Je größer das wirtschaftlichen Wachstum und je stärker die Demokratie in einem Land, umso anfälliger sei es für derartige Phänomene.

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Die große koreanischen Tageszeitung JoongAng Daily erkennt ihrerseits eine neue Art von Demonstranten aus allen Altersgruppen, aus allen sozialen Schichten, die zwar sehr entschlossen, aber letztendlich kaum politisiert seien. Was umso erstaunlicher ist, als die Panik noch immer ansteigt, obwohl die Regierung ihre Entscheidung aufgeschoben hat, und die Demonstrationen auch noch stattfinden, nachdem die Regieung wegen zu großer Meinungsverschiedenheiten zum Thema zurückgetreten ist!