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"Man sieht sie und - hop! - man sieht sie nicht mehr! Diesen Aufhänger der britischen Times können Sie auf der Titelseite nordamerikanischer, europäischer und ... albanischer Tageszeitungen finden. Die Sache ist ernst. Und noch immer nicht aufgeklärt. Am Sonntag, dem 10. Juni passierte das Unerwartete, und, um kein Blatt vor den Mund zu nehmen, im Leben von Präsident George W. Bush das, was niemand zu hoffen wagte: in Albanien, wo er seine Europarundreise beendete, in der kleinen Stadt Fushe Kruja, 30 Kilometer von der Hauptstadt Tirana entfernt, wurde das Staatsoberhaupt Amerikas von einer Ansammlung ausser Rand und Band geratenen Menschen begeistert gefeiert. Das hat ihn dazu bewegt, ein Bad in der Menge zu nehmen, Arme und Schultern zu berühren, Handschlag um Handschlag Hände zu schütteln: wieviele Heilungen St. George mit diesen Handauflegungen bewirkte, wird man nie wissen. Bekannt wurde dagegen ein anderes Zauberkunststück: die Armbanduhr des Präsidenten ist verschwunden. Am Anfang der Szene befand sie sich am ehrwürdigen Handgelenk und am Ende war sie nicht mehr da: Videos in den albanischen Medien, bis zum Überdruß wiederholt, bezeugen das.

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In Italien (wo demselben George W. am Abend zuvor ein kühler Empfang bereitet wurde) aber gewiss auch in Albanien werden Hypothesen aufgestellt, die zeigen sollen, dass es sich nicht um Raub handelt, damit das nach verbreiteter Auffassung ohnehin wenig rühmliche Ansehen des Landes nicht noch weiter geschädigt wird. Auch in den Vereinigten Staaten veröffentlicht das Weißé Haus ein Dementi nach dem anderen, damit man nicht das Gesicht verliert und vorallem, damit die Stimmung ungetrübt bleibt. Aber das Mysterium besteht weiter. Sie war da, sie ist nicht mehr da, und als der Präsident in seine Maschine Airforce One steigt und die Hand zum Abschiedsgruß hebt, schmückt eine neue Uhr sein Handgelenk, nämlich die einer anderen Marke. Das bescheinigen die aus aller Welt herbeigerufenen Uhrmacher einhellig! Der Corriere della Sera und die Stampa mockieren sich: "Da waren überall Hände, " schreibt ersterer, "die meisten wollten nur berühren oder ihm die Hand schütteln, aber andere hatten offensichtlich andere Pläne im Kopf. Der Zwischenfall hat etwas von einem Zauberkunststück: die albanische Menschenmenge und die Armbanduhr des Präsidenten." La Stampa (rechtes Zentrum) ist auch nicht großzügiger: "Ist Bushs Uhr nicht stehen geblieben, als er den Irak bombardierte? Jedenfalls stellt man absolut überrascht fest, dass keiner der 850 Sicherheitsinspektoren in Albanien etwas bemerkt hat..." Es sei denn, man denkt, es sei einer von denen gewesen ...

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Beim großen Nachbarn Kanada, genauer in Quebec, gehörten die Titelseiten der letzten Tage dem Ex-Vizegouverneur von Quebec, genauer gesagt ihr, der Ex-Vizegouverneurin, - obendrein eine Behinderte - a priori also äusserst politisch korrekt. Nur ist das schöne politische Bild seit ein paar Tagen zerstört und ihre Ex-Excellenz wird exzessiver Ausgaben beschuldigt. Bevor sie dieses Jahr die Geschäfte nach zehn Jahren abgegeben hat, mußte die ehrenwerte Lise Thibault (so lautet die für diesen Posten gesetzliche Anrede)Rechnung ablegen, und die Rechnung ging nicht auf: ungerechtfertigte Ausgaben in Höhe von 700 tausend kanadischen Dollar, davon 200 bis 300 tausend klarerweise zweifelhaft (das entspricht etwa 210 tausend Euro). Lise Thibault weist alle Anschuldigungen von sich: alle ihre Ersatzansprüche wurden kontrolliert und für rechtmäßig befunden, also von der Regierung genehmigt. Im übrigen hätten - lässt sie aus ihrem Inselrefugium im St.Lorenz-Strom, zu dem Journalisten keinen Zutritt haben, mitteilen - diese sogenannten überflüssigen Ausgaben ihr das Skifahren und das Golfspielen im Sitzen ermöglicht und damit habe sie ein positives Bild und Modell für Behinderte abgeben können.

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Hier empfiehlt sich eine kurze Erklärung: Lise Thibault ist der 27te Vizegouverneur von Quebec, aber auch die erste Frau in dieser Reihe und mit ihrem Posten Vertreterin der britischen Krone - die Königinnen und Könige von England sind bis heute Staatsoberhaupt von Kanada. In der Staatsordnung sichern die Premierminister die politische Macht und die Vizegouverneure nehmen administrative und protokolarische Aufgaben wahr. Die Webseite der hohen Funktion stellt fest: "er soll in seinem Tun und Handeln Angemessenheit und Zweckdienlichkeit walten lassen. Ausserdem hat er die Aufgabe, über Anliegen der Bewohner von Quebec und ihrer Regierung auf dem Laufenden zu sein. Seine gesellschaftliche Rolle soll durch eine Teilnahme und Gegenwart gestärkt sein, die ihm die entsprechende Information vermitteln und ihn zu bestmöglichem Verständnis der Anliegen geleiten. In dieser Hinsicht bleiben Persönlichkeit und Können die wichtigsten Eigenschaften für eine für jedermann ebenso sichtbare wie transparente Funktion." Die obersten Finanzprüfer von Quebec fanden die Ausgaben von Madame Thibault für kleine Familienfeste oder private Reisen wenig transparent. Was uns in Frankreich an eine andere Sache erinnert...

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Die Kosten der Hochzeit der vierten Tochter des Sultans von Brunei (er hat 11 Kinder), der Prinzessin Majeedah, die im Umweltministerium - jawohl! - arbeitet, sind vollständig transparent. In diesem Sultanat, dem Tüpfelchen auf dem i aller Superlative (in Sachen Reichtum), gleichen die Kassen des Sultans einem Brunnen ohne Grund. Er hat seinem Volk zur Feier des Ereignisses zwei Wochen Urlaub gegeben (was der deutschen Tageszeitung Die Welt nicht entgangen ist); 2000 Gäste wurden eingeladen; über und über mit Schmuck behangen, ein Juwel kostbarer als das andere, glichen die Jungvermählten glitzernden Weihnachtsbäumen. Geld ist in diesem winzigen Eldorado gewiss keine Schande, doch sagt man sich angesichts des Fotos von den beiden Turteltauben wieder einmal "Geld allein macht nicht glücklich". "Am wenigsten das derjenigen die keins haben", meinte der seelige Coluche...