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Während die französischen Parlamentarier sich anschicken, über Möglichkeiten zu diskutieren, Minderjährige schon mit 12 Jahren ins Gefängnis zu stecken, hat der oberste Gerichtshof Argentiniens gerade den Weg geöffnet, Kinder, die zu Straftätern wurden, wegzusperren. Die Tageszeitung Pagina 12 bringt die Nachricht auf der Titelseite und sieht in der Entscheidung einen fundamentalen Rückschritt gegenüber den Prinzipien des Interamerikanischen Gerichtshofs und der Internationalen Konvention der Kinderrechte. Nach Artikel 37 dieses Textes "kann kein Kind willkürlich oder ungesetzlich seiner Freiheit beraubt werden. Ein Kind kann nur im Einklang mit den Gesetzen verhaftet, festgehalten oder eingesperrt werden, und dies nur als letzte Maßnahme und so kurz wie möglich; jedes seiner Freiheit beraubte Kind ist menschlich und mit dem seiner Menschenwürde geschuldeten Respekt zu behandeln. Den seinem Alter entsprechenden Bedürfnissen ist Rechnung zu tragen." Das argentinische Gesetz, das Kinder einzusperren erlaubt, datiert aus Zeiten der Diktatur des Generals Videla. 700 junge Argentinier unter 16 Jahren seien ihm zufolge Grundlage in Haft.

Eine Forderung nach Freilassung von 60 Kindern aus einem spezialisierten Zentrum war erhoben worden, als man entdeckte, dass ihre Haftbedingungen denen der schlimmsten Gefängnisse für Erwachsene nahe kamen. Die Fondacion del Sur, eine Linkspartei, hatte die Gerichte angerufen. Das Berufungsgericht hatte sich für eine Freilassung ausgesprochen. Die Richter waren sogar noch weiter gegangen und hatten den Artikel 1 des Strafrechts für ungültig erklärt, der Straftaten von Minderjährigen regelt und ihre Inhaftnahme aufgrund einer einfachen Entscheidung der Polizei zulässt. Das Gericht hatte die sofortige Umsetzung seiner Entscheidung verfügt und sie auf einen Zeitraum von 90 Tagen beschränkt.

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Dieses Urteil hat der Oberste Gerichtshof aufgehoben und das mit ziemlich verqueren Argumenten: einerseits müssten die steigenden Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigt werden, anderseits müsse man den in Schwierigkeiten geratenen Minderjährigen helfen... Wohl wissend, dass diese Sichtweise einigermaßen paradox erscheint, behaupten die Richter, man schütze die jungen Straftäter, wenn man sie der Öffentlichkeit entziehe, vor sich selbst, vor den Versuchungen der Gewaltätigkeit, sei es als Täter, sei es als Opfer.

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Vor ein paar Jahren hatte der Conseil d’Etat in Frankreich ähnlich argumentiert bei einem berühmt gebliebenen Erlass, dem sogenannten "Zwergenwurf": das oberste französische Verwaltungsgericht hatte den Gemeinden auferlegt, ein Spiel zu verbieten, das in den 80er Jahren auf den Jahrmärkten im Schwang war. Das Publikum spielte Ball mit einem Kleinwüchsigen, der damit "einverstanden" war und dafür bezahlt wurde. Im Namen der Menschenwürde wurde entschieden, auch einverstandene Kleinwüchsige vor sich selbst zu schüzen. Im Fall der argentinischen Kinder kommentierte der Abgeordnete Emilio Garcia Mendez, Anführer der Fondacion del Sur, voller Bitterkeit: "Das ist ein brutaler Rückschritt in Sachen Grundrechte der Kinder und eine flagrante Verletzung der Demokratie, dass hier ein Gesetz der Militärdiktatur bekräftigt wird!"

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In Italien provoziert der Vatikan eine Polemik mit seiner Intervention bei den Vereinten Nationen gegen die Straffreiheit von Homosexualität: der Gesandte des Heiligen Vaters bei der UNO hat tatsächlich der französischen Forderung nach weltweiter Entkriminalisierung dieser sexuellen Orientierung den Kampf angesagt. Sie sollte die Möglichkeit eröffnen, in Ländern einzugreifen, in denen Homosexuelle verfolgt werden. Die Republica macht mit der neuen Attacke des Papstes auf und dokumentiert ausführlich die Strafgesetze, die noch immer Bürger wegen ihrer sexuellen Präferenzen verfolgen: man erfährt, dass kein Kontinent von repressiven Gesetzgebungen ausgenommen ist. Die Strafen sind allerdings unterschiedlich, sie reichen vom Strafzettel über die Haft zur Todesstrafe.

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Auch der Vatikan versucht mit ausgeklügelten Argumenten zu überzeugen: Erzbischof Celestino Migliore, der ständige Beobachter des Vatikan bei der UNO, behauptet, man kämpfe für die Menschenrechte. Es gehe darum, sagt der Gottesmann, die Rechte der "normalen" Verbindungen zwischen entgegengesetzten Geschlechtern zu schützen, denn die würden am Ende zu Opfern von Ausgrenzung! Der Prälat fürchtet, dass die Entkriminalisierung zusammen mit der Aufnahme des Rechts auf Schwangerschaftunterbrechung in die Grundrechte, zum gesellschaftlichen Verfall, oder gar in eine moderne Barbarei führe. Benedikt XVI hatte sich, schon als er noch Kardinal war, gegen diese "widernatürlichen" Verbindungen ereifert, die, weil sie Mode geworden, die natürlichen verdrängen würden. Auf dem Weg zur Emanzipation zeichnen sich Hindernisse entschieden ab.