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Die Gemeinschaft der Geheimdienste steht am Scheideweg. Das meldet USA Today anläßlich einer umfassenden Untersuchung der amerikanischen Dienste. Papas Spione im grauen Regenmantel, grau wie der Regen, ausgerüstet mit Gadgets aller Art für Angriff und Selbstversteidigung, sind bald nur noch auf den Regalen der Bibliotheken zu finden (Unbedingt Graham Greene’s phantastischen Roman Unser Mann in Havanna wieder lesen!). Schluss auch mit den aufregenden Spionageaufträgen am anderen Ende der Welt... Der Doppel- oder Trippelagent von heute und morgen verlässt seinen Bürosessel nicht mehr, starrt auf den Bildschirm, seine Geschicklichkeit konzentriert sich auf den Mausfinger bei den Osint-(Open-source intelligence)Recherchen die das Internet zu bieten hat. In Zukunft liegt für den, der zu suchen versteht, alles in Reichweite eines Mausklicks: die Strategie von Al Quaida, der Entwicklungsstand der Nuklearenergie im Iran, Truppenbewegungen in Tschetschenien, oder auch umgekehrt, die zur Täuschung des Gegners bestimmten Desinformationen, die jedoch geschickt analysiert zur wertvollen Informationensquelle werden.

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Das Problem sind innere Widerstände von zwei Seiten. Einerseits wehren sich diejenigen, die sich aus Abenteuerlust oder einer Art romantischer Vorstellung von den Diensten haben anwerben lassen, andererseits können sich die Institutionen eine Spionage ohne Geheimnisse nur schwer vorstellen. Sie denken, dass Informationen die jedermann vor Augen hat und wissen kann, vielleicht nicht wirklich wichtig sind. Das wäre dann doch zu einfach, sagen sie. Nicht ganz, erwidern die Vertreter der informationstechnischen Revolution. Das Netz bietet eine schwindelerregende Menge von Rohdaten, ein Magma von Wahrem und Falschem, dass es erst einmal zu ordnen und zu analysieren gilt. Überzeugen soll aus ihrer Sicht, dass die Vereinigten Staaten dank der Osint den Stand der Nuklearindustrie des Irans genau bestimmen und dadurch in ihrer Politik gegenüber diesem Land einlenken konnten. Die Reform hat jedoch auch ihren Preis: der ganze Komputerpark muss erneuert werden. Von den Fettleibigkeitsrisiken, die das dauernde Sitzen den heiligen Arbeitstag lang mit sich bringt, ganz abgesehen.

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Empfehlen kann man ihnen auch einfach Zeitung zu lesen, da sind die Informationen noch zugänglicher als im Internet. Der Spion von morgen, trägt seinen Laptop in ein gemütliches Café in Washington, statt sich in der Schlafstadt von Langley (Sitz der CIA) einzuigeln, und liest in aller Ruhe die Weltpresse per Wifi auf seinem Bildschirm, zum Beispiel die Iran Daily, die englischsprachige Tageszeitung, die in der ganzen Welt verbreitet, was die iranische Regierung mitteilen möchte. In der Ausgabe vom 8 April, dem Nuklearfest im Land der Perser, findet er die ganze Liste der großartigen Errungenschaften, zum Beispiel Zahl und Qualität der Zentrifugen im Dienst der Macht im mittleren Orient. Fortan wird das Berufsrisiko nur noch sein, dass man sich den heißen Kaffee auf die Hose gießt...