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Man kämpft, da wo man kann. Zum Wochenanfang kamen zwei exzellente Tageszeitungen, die eine in Österreich, die andere in Kanada mit besonderen Titelseiten heraus: In Wien machte Die Presse mit den neuen Vätern auf; Le Devoir in Quebec brachte eine Recherche zu verrückten Haustieren. Die beiden, scheinbar (eben nur scheinbar)verschiedenen Themen haben einen gemeinsamen Nenner: Rückzug ersterer und exponentielle Zunahme der Fälle von letzteren stehen in Proporz zur Entwicklung der Krise ...

In Europa machten sich zwei der angesehensten Reporter auf die Suche nach einer aussterbenden Art: die Superpapas. Der Superpapa ist einer, der die kleinen Menschen absolut genauso aufzieht wie die Supermama, auch was die weniger edlen Tätigkeiten angeht, wie verschissene Popos waschen oder Klappse austeilen. Der Superpapa rekrutiert sich vornehmlich aus den Reihen der Bobos ("in" und (von den Eltern her) betucht d.Ü.), einer Kategorie modischer junger Stadtbewohner mit Engagement für Ökologie und humanitäre Aktion, die sich auf der nördlichen Halbkugel entwickelt. In den 70er und 80er Jahren wurde der neue Vater ein moderner Held: ein Tabubrecher, der sich fröhlich und gutgelaunt feminisierte (das heißt, seiner männlichen Werte begab), Windeln wechselte, Liedchen singend Babynahrung wärmte und dabei jedenfalls beruflich und warum nicht auch sexuell reüssierte. Nichts schien seine Ausbreitung aufzuhalten. Bis die Krise kam.

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Die Rouletabilles (Detektiv-Reporter-Figur der Romane von Gaston Leroux (1868-1927) d.Ü.) der Vaterschaft trafen eine Menge Männer, die am Wochenende im Wiener Siebensternpark, einer der meistbesuchten Grünanlagen der Stadt, Ball oder Schläger traktieren. Mit viel Begeisterung aber vorallem auch mit ihrer Nachkommenschaft. Das Bild ist schön, aber es täuscht. Interviews brachten in der Mehrzahl die tragische Wahrheit ans Tageslicht: für den Rest der Woche arbeiten diese Männchen unter materiellen Zwängen was das Zeug hält und haben für ihre Kinder keine Zeit mehr... Ach ja? Und eure Frauen? Oder etwa nicht? Doch, die auch, aber die verdienen weniger und sind daher weniger bei der Sache an ihren Arbeitsplätzen. In Österreich liegen die mittleren Einkommen der Frauen 30% unter denen der Männer (übrigens nicht nur in Österreich... ). Im Prinzip können beide Geschlechter gleich Elternurlaub mit reduziertem Einkommen beanspruchen, aber in der Realität sind es immer die Frauen, weil die finanzielle Einbuße geringer ist. Der Artikel kommt daher zu folgender Theorie: es kann keine neuen Väter geben, wenn es nicht auch neue Mütter gibt, das heißt, Frauen, die sozial und in jeder gesellschaftlichen Hinsicht den Männern gleichgestellt sind.

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Auf der anderen Seite des Atlantik sind die Tiere dabei, den Menschen gleichgestellt zu werden, was auf dem alten Kontinent längst passiert ist... Mit einem Umsatz von einer Milliarde Euro und einem Hund oder einer Katze in fast jedem zweiten Haushalt nimmt der tierhändlerische und tierärztliche Markt in Kanada explosionsartig zu (40% Zunahme in fünf Jahren) und noch ist kein Ende der Zunahme abzusehen. Aber von Frankreich mit seinen 20 Millionen häuslicher Begleiter oder den USA mit einem Umsatz von 50 Milliarden Dollar, laut der seriösen Business Week, ist man immer noch weit entfernt. Soziologen führen das Phänomen auf zwei Faktoren zurück: die Bevölkerungen in den nördlichen Ländern werden älter und depressive Kranheitszustände werden häufiger aufgrund der wirtschaftlichen und gesellschaftliche Krise. Aber wenn es den Besitzenden schlecht geht, geht es den treuen Begleitern noch schlechter: Verhaltensforscher beobachten, so scheint es, eine starke Häufung von Verhaltensstörungen bei unseren vierbeinigen Freunden, hauptsächlich infolge von Scheidung von ihren Herrschaften...

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Le Devoir schließt die lange Recherche (nicht weniger als vier ausführliche Kästen) mit der Aussage einer erfahrenen Geschäftsfrau, Besitzerin eines Luxushotels für Tiere (60 EUR pro Nacht mit Fernsehen und Überwachungswebcam). Linda Zago mit ihrer gesammelten Weisheit nennt vier Typen von Tierhaltern: den Humanisten der das nec plus ultra für seinen Augapfel sucht; den Konservativen, der sein Eigentum verwaltet, aber ohne weiteres Aufsehen; den Durchgedrehten, der für seinen Ersatzgegenstand bereit ist alles zu geben; den unbeteiligten, der seinen Kindern das Vergnügen machen möchte, jedoch denkt "ein Hund bleibt ein Hund" - mens sana in corpore sano...