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Wer hat gesagt, dass Gedichte aus der Mode kämen? Wer immer das denkt, sollte schnell die Golfpresse lesen: die Mehrheit der Zeitungen der Emirate feierten heute morgen die Wiedergeburt und Blüte der Dichtkunst in der unfruchtbaren Wüstenlandschaft von Dubai. Scheich Mohammad Bin Rashid Al Maktum, Vizepräsident und Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate und Gouverneur von Dubai, hat soeben das erste internationale Dichterfestival von Dubai eröffnet. Mehr als hundert Dichter aller Kontinente wettstreiten eine Woche lang in lyrischen Ergüssen. Sie wollen zeigen, dass es eine universale Sprache gibt, die zwischen noch so weit von einander entfernten Ländern und über kulturelle und organisatorische Unterschiede hinweg Brücken schlagen kann. Kurzum, der traditionelle Diwan trifft sich mit dem traditionellen Alexandriner. Geblendet vom Glanz des Gouverneurs, der Worte und Gespräche schätzt, eilen wir zur Internetseite des Festivals und schauen uns das Programm an: der Emir hat nicht gelogen: wir reisen zwischen den Zeilen von Griechenland nach Russland, von der Schweiz nach Deutschland, Frankreich, Italien oder Slowenien, vom Jemen nach Südafrika, über Nigeria oder Zimbabwe, vom Irak nach Indien oder nach Albanien, von China nach Venezuela oder Brasilien mit einem Umweg über Syrien oder den Libanon usw., usw.. Wir applaudieren bei Breyten Breytenbach, dem südafrikanischen Dichter, Streiter gegen die Apartheid, der heute im Senegal lebt und der Dubai zur "Oase des Geistes und der Herzen" erhebt. Bis uns leise Zweifel überkommen: sind wir etwa übelwollend? Man sucht vergeblich einen Amerikaner oder Israeli auf der Liste der Eingeladenen, die in der neuen Hauptstadt der Konflikt- und Krisenüberwindung sicher willkommen wären. Gewiss, man findet auch keine Spur von Schweden oder Birmanen... Dennoch die Fehlanzeigen sind irgenwie seltsam.

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Dies gesagt, sollte nicht Barack Obama gerade jetzt Gedichte lesen, um sich von den schrecklichen aktuellen Weltereignissen zu erholen, die ihm so große Sorgen machen? Die New York Times machte nämlich eine niederschmetternde Feststellung: nach nur 44 Tagen der Präsidentschaft ist sein Kopf dabei zu ergrauen! Zwar erinnert uns Helene Cooper, die uns diese schrecklich Neuigkeit bringt, dass Bill Clinton in zwei Jahren vom halb kastanienbraunen zum weishaarigen Kopf mutierte und das G. W. Bush, graumeliert zu Beginn seiner Amtszeit, total grau seinen Abschied nahm... Aber so schnell? In nur eineinhalb Monaten? Eine andere journalistische Referenzperson, Deborah Willis, Biografin des neuen amerikanischen Präsidenten, hatte schon im Januar das Phänomen beobachtet: "das hat zwischen dem Ende der Wahlkampagne und der Amtseinführung angefangen" meint sie total schockiert. Barack Obamas Friseur mischt sich ein. Er schreibt in allen Blogs, die behaupten, der Präsident würde sein Grau betonen um würdevoller zu wirken oder seinen Schopf schwarz färben, um jünger auszusehen: nein, nein, dreimal nein, der Präsident hat wundervoll natürliches Haar, dass sollte man bitte glauben (man ist an den Streit um Kanzler Gerhard Schröders geschwärztes Haar erinnert!). Das heißt nicht, das nicht so manchen die grauen Schläfen zur Verzweiflung bringen: Experten behaupten, dass dieser, dem Aussehen nach für Stress so unempfängliche Präsident doch nicht ganz so zen sei... Ich neige dazu, das Symptom eher als beruhigend zu empfinden: hier ist endlich mal ein Staatschef, der seine Sendung wirklich ernst zu nehmen scheint...

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Sollte er nicht, damit er mit seinen pharaonischen Aufgaben nicht so ganz allein dasteht, sich ein Beispiel an Argentinien nehmen, das gleich ihm versucht, die Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen: Cristina Kirchner hat gerade ihren Plan zur Ankurbelung des argentinischen Wirtschaftsmotors vorgelegt (der, erinnern wir uns, im vergangenen Jahrzehnt, erheblich ins Stottern kam). In allen Richtungen sollen eine Reihe öffentlicher Arbeiten in Angriff genommen werden: Autobahnen, neue Beläge des existierenden Straßennetzes, Schulen, Sozialwohnungen, der Staat will hunderte von Millionen Pesos investieren und damit mindestens 272 000 Arbeitsplätze schaffen. Das Prunkstück des Programms ist der Bau der Autobahn "Präsident Peron", achtzig Kilometer lang, die die Verbindung von der Hauptstadt zum nächstgelegenen Strand La Plata erheblich verbessern soll. Im Übrigen soll sich die Pampa mit geteerten Fahrwegen überziehen, denn die Regierung hat auf einmal erkannt, dass dadurch die Transporte sehr erleichtert werden... Argentinien hat gelernt, schwere Krisen zu überwinden. Man wird gespannt sein, auf welche Weise man die aktuelle in Vergessenheit bringt...