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Während wir in Frankreich fasziniert auf die Bocksprünge unserer Wahlkampagne starren, schickt sich auch die Türkei an, die Wahl des Präsidenten der Republik zu erleben. Zwar handelt es sich um eine indirekte Wahl (es votiert das Parlament)und nicht um allgemeine Wahlen, aber die Atmosphäre ist dennoch hoch elektrisiert. Premier Minister Erdogan kandidiert selbst (vorläufig noch inoffiziell)und könnte sehr wohl die Wahl gewinnen. Dabei trägt Frau Erdogan den Schleier und würde so auch in den Gängen des Präsidentenpalais auftreten. Ein undenkbarer Anblick für das halbe Land, das sich republikanisch und laizistisch à la Attatürk geriert.

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Ist es Zufall? Unter diesen Umständen starten bekannte und berühmte Frauen, Intellektuelle, Unternehmerinnen, Künstlerinnen und Journalistinnen eine Werbekampagne "Schlag ins Gesicht" oder vielmehr "Haare ins Gesicht": sie zeigen sich im Großformat auf den Wänden, auf den Titelseiten (wie hier in den Turkish Daily News) oder in den audiovisuellen Medien - mit Schnurrbärten und mit der Unterschrift "Muss man ein Mann sein, um ins Parlament zu kommen?" Die in KA-DER (Verein zur Frauenbildung und Förderung der Frauenkandidaturen) vereinten Frauen reagieren damit auf zwei Feststellungen: die Türkei ist das 163te von 167 Ländern was den weiblichen Anteil im Parlament angeht, und sie hat weniger Parlamentarierinnen als 1934! Das pelzige männliche Attribut (das sich in der europäischen Vorstellung gern mit der Türkei verbindet)hat in der Bevölkerung einen wahren Schock ausgelöst. Aber hinter dem Frauenschnurrbart steckt ein Mann: es war die Idee des Kunstdirektors einer großen Werbeagentur.

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Auch Knut hat Schnurrhaare. Weiße. In wenigen Tagen ist er zum berühmtesten Eisbären der Erde geworden und ökologische Fundamentalisten und Tierschützer liefern sich homerische Debatten. Erstere meinten, den von seiner Mutter verlassenen kleinen Bären hätte man töten sollen. Kommt nicht in Frage, meinten letztere und sie haben gewonnen. Knut wurde von den Wärtern im Berliner Zoo gehätschelt und hat überlebt. Seinen ersten Ausflug machte er in Begleitung des deutschen Umweltministers, Sigmar Gabriel, und Romano Prodi, der italienische Regierungschef, hat für kurze Zeit die Festlichkeiten zum fünfzigsten Jahrestag Europas geschwänzt, um Knut einen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Der bestritt auch die Titelseite des Guardian... Die "Euthanasiejünger" argumentierten, Knut zu retten stünde im Widerspruch zu den Gesetzen des Wildtierlebens, die naturgemäß auch wild sind. Inzwischen hat sich Knut als Stoffbär millionenfach vervielfältigt und ihm wurde ein Lied gewidmet.

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Die beiden Pandabären im Hongkonger Zoo, die auf der Titelseite der dortigen China Morning Post zu sehen sind, haben erst einmal keine Namen. Aber sie lieben sich, er, der starke, ein wenig schüchterne Mann, und sie, das lebendige, umtriebige Weibchen, die gerade zu recht zum baldigen 10tenJahrestag der Rückgabe von Hongkong an China ankamen. Sie fressen Bambus, albern herum und warten darauf, dass ihnen von den Gewinnern eines landesweiten, von der Stadtverwaltung organisierten Wettbewerbs Namen verliehen werden. Man kann ihnen nur viel Glück wünschen, aber vorallem auch, dass sie leichter Nachkommen in die Welt setzen, als das Paar in Chian Mai im Norden von Thailand, dem der Tierarzt jeden Morgen zur Anregung ihres Sexuallebens fünfzehn Minuten "Porno-"Videos von Paarungsakten anderer Pandas zeigt. Wir leben in modernen Zeiten...