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Was des Einen Unglück ist des Anderen Glück: Die Moskauer Wremja (Die Zeit) gab diese Woche ein gutes Beispiel für jene selten dementierte Feststellung: während die gesamte Presse des In- und Auslandes die gewaltsam beendeten Demonstrationen in der russischen Hauptstadt auf den Titelseiten brachte, war der Aufmacher dieser Tageszeitung die Affaire Wolfowitz. Das Blatt zog gewaltig über den Präsidenten der Weltbank und im gleichen Atemzug über den der Vereinigten Staaten her. Paul Wolfowitz wird beschuldigt, das Gehalt seiner Geliebten, Shaha Ali Riza exponentiell in die Höhe getrieben zu haben, als er sie im State Department unterbrachte.

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Das Weiße Haus habe, schreibt die Zeitung, als es seinen "Liebling", der auch der härteste Hardliner in der Irakkrise war, derart stützte das Ansehen der Weltbank, die das nun gerade überhaupt nicht brauchen konnte, förmlich in die Luft gejagt . Die Affaire wurde von der amerikanischen Presse bereits Ende März ans Licht gebracht. Auf der russsischen Bühne erscheint sie also am 16. April im passenden Moment.

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Am Vorabend waren die Hauptstadt und St. Peterburg Schauplatz der Demonstrationen gegen Wladimir Putin. Sicherlich winzige Veranstaltungen, wie die Süddeutsche Zeitung unterstreicht. Unter dem Titel "Prügel und Protest" berichtet sie von nicht mehr als 350 Personen, die sich um den ehemaligen Schachweltmeister Gari Kasparow schaarten. Bilder, die um die Welt gingen, zeugen von unverhältnismässig harter Unterdrückung. Die westliche Presse hat sich ausgiebig mit den Ereignissen beschäftigt und die antidemokratische Schieflage im heutigen Russland angeprangert.

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Desgleichen die meisten russischen Blätter, aber mit der Tendenz, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen: «Streitereien um eine Farce » oder « Für wen soviel Lärm? » fragen ironisch Kommersant und Iswestija. Jedenfalls von Seiten Kasparows ein gelungener Auftritt: der Initiator des "Anderen Russland" hat den Herrn des Kreml in den Medien "schachmatt" gesetzt.

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Ein Mal ist Kein Mal: das Wall Street Journal bringt seine Leser in eher unerwarteter Weise zum Nachdenken über den Zusammenstoß der Zivilisationen: es stellt den religiösen Fundamentalisten die atheistischen gegenüber. Andrew Higgins war in Caen, in der Normandie, wo der von nun an berühmteste Atheist der Welt lehrt, der Philosoph Michel Onfray. Der amerikanische Journalist zeichnet ein ironisches Portrait dieses neuen Gurus: er sieht in ihmden Vertreter eines merkwürdigen, zunehmend bedeutenden europäischen Phänomens: die « eifernden Ungläubigen » oder auch die « Missionare der Sekularisation».

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Abgesehen von unserem nationalen, anscheinend stets schwarz gekleideten, « Missionar », hat der Korrespondent des WJS den ganzen alten Kontinent bereist und von Berlin bis Rom über London diese neuen Apostel und ihre Schüler besucht. Dabei ist er auch auf den im Ruhestand lebenden ehemaligen Direktor einer der größten französischen Banken gestoßen, der jede Woche nach Caen reist, um "gläubig" Michel Onfray zu hören. Dieser hat - enhüllt das amerikanische Blatt - nach einer Debatte über Genetik mit stürmischen Folgen dem französischen Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy mehrere Bücher geschenkt, darunter auch Friedrich Nietzsches "Antichrist".

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Wir schließen mit einer Enttäuschung. Aus der israelischen Tageszeitung Haaretz erfahren wir in dieser Woche, das Forscher der Universität Tel-Aviv zu einem traurigen Schluss gekommen sind: Lucy, die Entdeckung in Ostafrika, Ende des XXten Jahrhunderts, die vor drei Millionen Jahren im Alter von 30 Jahren starb, sei nicht unser aller Urmutter, sondern nur eine mehr oder weniger entfernte Kusine unserer allerersten, bereits deutlich als solche erkennbaren Vorfahren. Die Wisenschaftler kamen zu diesem Schluss aufgrund anatomischer Schädeluntersuchungen an ihr und anderen Hominiden und Affen. Wie schade!