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Wenn man in dieser Woche Abstand von Ägypten gewinnen wollte, war das nicht einfach, und für mich noch weniger als für andere. Meine Familie väterlicherseits hat zwei Jahrhunderte an den Ufern des Nils gelebt, hat alle politischen Umwälzungen des Landes mitgemacht, hat sich in den Kämpfen für die Unabhängigkeit und in der Revolution eingesetzt, die auf den Sturz der Monarchie durch die Armee 1952 folgte. Kurzum, mir fällt es dieser Tage schwer, das unscharfe, aber fest verankerte Bild vom Tahrir-Platz, dem Symbol für ein neues Zentrum der Welt, zu verdrängen, obwohl dieser Platz kaum größer ist als der Place de la Concorde in Paris. Auf dem Tahrir versammle sich, so hört man, ganz Ägypten, was sicher weit von der Wirklichkeit entfernt ist.

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Ich fand schließlich meine Ausflucht in der Genfer Le Temps, die würdig eine andere Revolution feiert, eine in der Schweiz reichlich verspätete, nämlich die des Frauenwahlrechts, das dort 1971 den Oberen abgerungen wurde und nicht einmal für alle Kantone. Die Schweizer als die allerletzten in Europa...

1959, erinnert uns die Zeitung, hatten noch 70% der schweizer Wähler - also der Männer - das Frauenwahlrecht abgelehnt. Obwohl die Frauen ein Jahrhundert in der Nachfolge von Marie Goegg-Pouchoulin gekämpft hatten, jener Huguenottin, geschiedener Familienmutter und 1870 Gründerin des Journal des Femmes. Die Männer hatten Angst, dass ihre Mütter, Schwestern, Töchter den heimischen Herd, ihre Ehemänner und Kinder verlassen würden, hätten sie einmal das Wahlrecht.

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Direkte Einbindung:Und wo sind sie heute, die Schweizerinnen, nach vierzig Jahren Wahlrecht? Heute wachen zwei Frauen über die Geschicke des Landes, Doris Leuthard, bis Ende 2010 Präsidentin der Eidgenossenschaft und Micheline Calmy-Rey, ihre Nachfolgerin, nachdem sie an der Spitze des diplomatischen Corps des von der Europäischen Union umgebenen Inselchens gestanden war. Auf allen Gebieten drängen die Schweizerinnen die Männer, räumen mit Vorurteilen auf und versuchen ihr Land sozialer und ökologischer zu gestalten.

Die Voraussagen für die Abstimmung über das neue Volksbegehren beweisen das: am 13 Februar müssen die Schweizer entscheiden, ob sie ihre Waffen abgeben oder nicht. Die Eidgenossenschaft ist tatsächlich eines der Länder mit der höchsten Anzahl von ganz oder beinahe legal im Umlauf befindlichen Waffen. Fast jeder hat ein Gewehr zu Hause: die USA in Miniatur... In einer Woche also werden die Helveten aufgefordert, ihre Waffen in den Kasernen zu lassen und zu registrieren. Dank der Frauen hat das Begehren eine Chance und die Männer werden gezwungen, nicht mehr mit ihren Revolvern und anderen phallischen Ersatzobjekten zu spielen.