JPEG - 7.1 kB

Die Präsidentin regt sich nicht ab. Gegen die Vereinigten Staaten, gegen das FBI und vielleicht sogar gegen den venezolanischen Präsidenten Chavez. Gerade wurde sie gewählt und sie will auf keinen Fall zulassen, dass ihr der Sieg durch einen Koffer voller Dollars, noch obendrein konfiszierten Dollars, verdorben wird. Die Präsidentin ist Cristina Kirchner, die frisch gebackene Chefin von Argentinien. Da steht sie nun, eingeholt von einem stinkenden Koffer mit 800 000 Dollar, der im August 2007 im Flughafen von Buenos Aires beschlagnahmt wurde. Die skandalhungrige argentinische Presse verfolgt von Tag zu Tag, ja fast von Stunde zu Stunde das Auf und Ab der Affaire.

JPEG - 11.9 kB

Am 14 August dieses Jahres landete also Guido Antonini Wilson, ein amerikanisch-venzolanischer Geschäftsmann an Bord einer Maschine der ENARSA, einer staatlichen argentinischen Flugesellschaft. Er reiste zusammen mit argentinischen und venezolanischen Beamten, die den für den nächsten Tag geplanten Besuch von Hugo Chavez, dem venezolanischen Staatschef vorzubereiten hatten. Beim Durchgang durch die Zollkontrolle fordert man ihn auf, einen kleinen schwarzen Koffer zu öffnen: drin lagen 800 000 Dollar in fein geordneten Scheinen. Das Geld war nicht deklariert, wird beschlagnahmt und der Geschäftsmann geht seiner Wege. Zwei Tage später eröffnet dann die argentinische Justiz ein Strafverfahren wegen Schmuggels. Doch der Vogel ist ausgeflogen.

JPEG - 47.2 kB

Für was oder vielmehr für wen war die unglaubliche Summe bestimmt? Die Antwort kam vom FBI. Im August also: die Wahlkampagne in Buenos Aires ist in vollem Gang, aber die Gattin des Präsidentin, die für seine Nachfolge kandidiert, erscheint bereits als Favoritin. Der venezolanische Präsident hält mit seiner kleinen Schwäche für Cristina nicht hinter dem Berg. Seither hat sie die Wahl gewonnen, wurde am 10. Dezember auch schon in ihr Amt eingeführt. Und dann, zwei Tage später, werden zwei Venezolaner unter dem Verdacht, für ihr Land zu spionieren, in Miami verhaftet und lassen sozusagen die Katze aus dem Sack: der Koffer im August, mit dem Geld, war bestimmt für Cristina, für ihre Wahlkampagne.

JPEG - 38.5 kB

Die Präsidentin dementiert mit aller Kraft. Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Argentinien wird einbestellt und es kommt zu tumultartigen Auseinandersetzungen. Der Justizminister zieht aufs Schlachtfeld und verlangt die Auslieferung von Guido Antonini Wilson, dem dubiosen Geschäftsmann. Hugo Chavez stimmt ein in das Klagelied und schreit etwas von einer amerikanischen Verschwörung gegen sein Land und gegen "fortschrittliche Regierungen" in Lateinamerika. Und schon werden auf der Titelseite einer der größten Tageszeitungen von Buenos Aires neue Anschuldigungen gegen das Regime Kirchner erhoben: der berühmte Guido habe 2 Millionen Dollar Schweigegeld erhalten. Heute 2 Millionen ausgezahlt, gestern 800 000 nie erhalten: Frau Kirchner wird vielleicht eine gute Präsidentin, aber im Rechnen ist sie ganz entschieden eine Null!