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Diese Woche brachte Le Devoir québécois eine alarmierende, zugleich verblüffende und erschreckende Nachricht. Wenn man den Artikel las, verstand man praktisch nichts. Proportional zum Unverständnis wuchs die Beunruhigung. Wir verlieren den Nordpol, schrieb die Zeitung aus Montreal und das könnte katastrophale Folgen haben, nämlich keine geringeren als den Weltuntergang. Oder am Ende vielleicht doch nicht, vielleicht wäre das alles ohne Bedeutung. Ich versuche zu beschreiben, was ich verstanden habe: die Erde hat also zwei Nordpole, den geographischen und den magnetischen (diesen letzteren sollte man, wie es scheint, Südpol nennen, auch wenn er im Norden liegt, von wegen der Magnetpole die er anzieht beziehungsweise abstößt...). Diesen magnetischen Nordpol zeigt die Magnetnadel des Kompass an, und er liegt einige tausend Kilometer entfernt vom wahren Nordpol, dem geographischen (obwohl: die Wahrheit ist hier durchaus eine relative)...

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Der Pol des Magnetfelds der Erde wurde 1831 entdeckt. Wie jeder Magnetpol zieht auch der der Erde die gegenteilige Polarität an und stößt seinesgleichen ab. Aber er wandert. Er hat sogar mehrere Male in der Erdgeschichte die Polarität gewechselt und dabei Stürme und Unwetter verursacht. Gegenwärtig entfernt er sich mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 km pro Jahr von Kanada in Richtung Russland. In fünfzig Jahren wird er Sibirien erreichen. Die Russen, die dabei sind, sich den Meeresgrund im Hohen Norden anzueignen, möchten ihn vielleicht gar nicht haben. Die Magnetfeldschwankungen sollen für unsere kleine Erde erst bedrohlich werden, wenn das Feld den Nullpunkt erreicht (hier habe ich nicht ganz verstanden, wo dieser Nullpunkt liegt, vielleicht kann mich jemand aufklären). Dann würde es einen umgekehrten Big Bang geben, mit Katastrophen ohne Ende... Die letzte magnetische Inversion geschah vor 780 000 Jahren. Unser Vorfahre, der Homo erectus, streifte da schon über den Planeten. Das Magnetfeld hat ihn jedenfalls nicht ausgelöscht, als es sich umkehrte. Weiß man’s, vielleicht entstand damals die verwirrende Vielfalt der Verbindungen im armen kleinen Hirn unserer Vorfahren?

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Wer keineswegs seinen Norpol verliert, sind unsere Nachbarn, die Japaner. Die haben sich auf die Linie der Vereinigten Staaten begeben und kontrollieren ihre Grenzen, indem sie ab dem 20. November die guten alten Fingerabdrücke an den Kontrollpunkten wieder einführen. Wie es scheint, soll das dem Kampf gegen den Terrorismus dienen. Also, wenn Sie jetzt im Reich der aufgehenden Sonne ankommen, in einem der 27 Flughäfen des Landes oder der 128 Seehäfen, müssen sie ihre weiße Pfote vorzeigen, das heißt, ihren Zeigefinger auf eine Fingerabdruckmaschine legen, eine Art von Gerät, wie man sie nur noch im Museum zu finden glaubte. Wenn Sie sich weigern, werden sie aufgefordert, das Land umgehend zu verlassen. Die Asahi Shimbun informiert: am ersten Tag, an dem die neue Behandlung eingeführt wurde, hat kein einziger Reisender die Hände auf dem Rücken behalten...

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Kap nach Westen, wo im Vereinigten Königreich der Premierminister wohl allzu gern hätte, dass man ihn magnetisch wieder auf Kurs brächte... Sein persönlicher Magnet scheint in eine Phase der "Abstoßung" mit dem des britischen Volkes eingetreten zu sein. Oppositionelle Zeitungen, wie der Daily Telegraph, oder auch solche, die der Arbeiterpartei wohlgesonnen sind, wie The Independant haben ihre Leser die ganze Woche mit dem neuesten Skandal, dem sogenannten "Datagate", in Atem gehalten. Der Hauptakteur heißt Anistair Darling und dieser teure Finanzminister soll die Verantwortung für eine Entgleisung seiner Behörde übernehmen, die 25 Millionen Mitbürger, die Hälfte der Bewohner des Landes, in helle Entrüstung versetzt hat. Das kann ihm sehr teuer zu stehen kommen, kann ihm seinen Posten kosten. Zumal er schon durch den Skandal um die Northern Rock Bank belastet war, deren Kunden Schlange standen, um sich ihre Ersparnisse zurückzuholen.

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Diesmal geht es um eine Datei der Familienunterstützungsempfänger, eine Datei Daten von 7 Millionen Familien, einschließlich persönlicher Angaben finanzieller und medizinischer Natur. Diese Datei hat sich verflüchtigt. Eine Kontrollinstanz, das National Audit Office (NAO)hatte sie vom Fiskus angefordert und präzisiert, dass die in ihr enthaltenen vertraulichen Angaben nicht gebraucht würden. Antwort und Verfahrensweise der Behörde: es sei zu teuer, diese Angaben herauszunehmen. Ebenfalls aus Kostengründen wurden die Dateien in Form von zwei CDROM mit einem privaten Postservice ohne Einschreiben übermittelt! Ergebnis: sie kamen gar nicht erst an, man weiß nicht in welche Hände sie gefallen sind, und die Briten wurden aufgefordert, Bewegungen auf ihren Konten besonders aufmerksam zu verfolgen. Der teure Darling musste sich öffentlich entschuldigen...


Neuere Untersuchungen versuchen zu zeigen, ob, wann und wie die Wolkenbildung auf der Erde vom Fluss ionisierender Teilchen aus dem Weltraum (besonders von der Sonne: sogenannter "Sonnenwind") beeinflusst wird. Wie dieser Fluss sich auf die Atmo-(Tropo-)sphäre verteilt, hängt von Richtung und Stärke von Magnetfeldern ab, von dem der Sonne und dem der Erde. Wenn sich der magnetische "Dipol" der Erde zu niederen Breiten hin dreht oder gar umkehrt, ändert sich die Verteilung und eventuell dann auch die Wolkenbildung. Aus der Analyse fossiler Funde - magnetische Komponenten im ehemals flüssigen Gestein konservieren Richtung und Stärke, die das Erdfeld beim Erstarren aufwies - weiss man, dass das Magnetfeld in erdgeschichtlichen Zeiträumen mehrfach die Polarität wechselte und ’seine Stärke stark schwankte.

Man denkt, dass der Erdmagnet durch Wirbel und Ströme im äusseren Bereich des heißen Erdkerns in Gang gehalten wird - bewegte Ladungen (ionisierte Materie) erzeugen Magnetfelder.

Übrigens schützt uns das Erdfeld vor allzu starkem "Sonnenwind", vor der ionisierenden (radioaktiven) Strahlung der Sonne (weil es geladene Teilchen ablenkt). Wenn es sich "abschalten" würde, wären die Folgen für die Atmosphäre und das Leben auf dem Planten wohl tatsächlich katastrophal - Wissenschaftler verweisen gern auf Mond und Mars die "früher" auch mal Magnetfelder hatten.