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Die so ausgezeichtnete "The Economist" teilt uns zum Jahresende 2010 mit, dass das Leben mit 46 Jahren anfange. Endlich mal eine gute Nachricht! Mehrere Studien überall in der Welt zeigen, dass "das Leben nicht etwa ein langer Abstieg aus lichten Höhen ins Tal des Todes" ist, sondern eine unaufhaltsam aufsteigende Kurve, im Mittel vom 46ten Jahr an, auch wenn die Ukrainer zum Beispiel erst mit 62 ihren Tiefpunkt haben und die Schweizer schon mit 35. Der Journalist der "The Economist" wendet sich von allen üblichen Klischeevorstellungen ab: wenn Erwachsene mit 45 Jahren unvermeidlich ihren Tiefpunkt, ihre Depression haben, dann nicht wegen der Midlife-Krise, nicht wegen einer existentiellen Problematik in Sachen Liebe, Arbeit, Gesundheit, Alter usw.

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Der so klarsehende Journalist, von dem man nicht weiß, ob es ein Mann oder eine Frau ist (die Artikel in The Economist sind niemals signiert), ob Single oder nicht ( die Signatur gibt im Übrigen auch anderswo keine Auskunft über den Zivilstand), lanciert eine Hypothese, die unsereins nur unterschreiben kann: 46 Jahre ist das Alter, in dem Eltern mit Jugendlichen konfrontiert sind! Mit diesen fürchterlichen Ungeheuern, die den Kühlschrank leeren, herumschreien bei jeder Aufforderung aufzuräumen oder Aufgaben zu erledigen, stundenlang im Bett liegen und sich fragen, wie sie zu anderen Eltern kommen könnten, und die selbst eine Reise nach Venedig zur Hölle werden lassen können...

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Man hätte Lust, diese/n mutigen Aufklärer/in, die/der hier ein Tabu angeht, kennen zu lernen und zu fragen, was ihn/sie zu der revolutionären Reportage veranlasst hat: hat er/sie etwa Jugendliche zu Hause, oder kommt er/sie jeden Tag später nach Hause um dem dort herrschenden höllischen Ambiente zu entgehen? War er/sie bei Freunden zu einem Abendessen eingeladen, das sich in einen Alptraum verwandelte, weil der Sohn der Familie auftauchte? Jedenfalls kommt er/sie wiederholt auf dies Thema zurück, das in der Studie durch nichts belegt ist.

Die Volkswirtschaftler, die sich mit dem Bruttonationalglück beschäftigen, diesem neuen Indikator für den Reichtum eines Landes, den das kleine Bhutan im Himmalaya bekannt gemacht hat, nennen andere, weniger originelle Faktoren für den Antieg der Lebensfreude-Kurve von 50 an: Höhepunkt der Karriere, bessere Organisation im Alltag, ein Schein von Abgeklärtheit, angehäuftes Kapital, all dies vorallem für die Frauen in den Fünfzigern mit hohem Bildungsniveau. Zusammenfassend kann man sagen: Bildung macht glücklich, weil sie reich macht.

Doch würde man auch gerne erfahren, warum die Ukrainer mit 62 Jahren in abgrundtiefe Depression verfallen - vielleicht haben sie alle erst nach 45 Kinder - und die Schweizer mit 35 - vielleicht geben sie ihre Nachkommenschaft, wenn sie in die Pubertät kommt, in die Hände des Kollektivs... Antworten erwünscht!