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Mit fester, wenn auch etwas weniger militärischer Stimme, als zu Zeiten seines Ruhmes, bittet Jorge Rafael Videla ums Wort. Der Major im Ruhestand war seinerzeit der Anführer der mörderischen Militärjunta im Argentinien der 80er Jahre. Seit Beginn seines neuerlichen Prozesses in Sachen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zappelt er vor Ungeduld, diesen kleinen, von ihm nicht anerkannten Richtern das Maul zu stopfen. "Sie können mich nicht richten, im Zweifel ist das Sache von Leuten meines Rangs. Was verstehen Sie schon von jenem Krieg, damals, gegen terroristische Unterwanderung. Gegen diese vom Ausland manipulierten marxistischen Terroristen, die unsere Demokratie vereinnahmen wollten?" Und er schämt sich nicht, hinzuzufügen: "die Verschwundenen sind weder tot noch lebendig, sie sind im Paradis..."

Der charmante Greis steht vor zivilen Gerichten wegen Mordes und Folter an 31 Menschen, deren Familien ihn hartnäckig nicht in Ruhe lassen wollen. Arrogant schaut er auf sie herunter, sagt dass er breits abgeurteilt sei, dass er nichts bereue und ist nach wie vor besessen von seinen antikommunistischen Kreuzzugszielen. Es war einfach meine Aufgabe, wiederholt er unaufhörlich, wenn er nicht gerade, wie von Verachtung und Langeweile gepackt, einzuschlafen droht. Die Totenstarre, die zur Schau getragene Überheblichkeit erinnern mich an jemand anderen. 1997 und 1998 habe ich für TV5 den Prozess gegen Maurice Papon verfolgt, dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit angelastet wurden, weil er eifrig Juden in die Deportation geschickt hatte. Ein exemplarischer Staatsdiener, der auch diese Überheblichkeit an sich hatte, die Angehörige von Opfern krank machen kann. Maurice Papon wurde zwar verurteilt, konnte dennoch im eigenen Hause sterben, umgeben von den Seinen und nicht im Gefängnis.

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Videla war wegen 30000 während der Diktatur Verschwundenen abgeurteilt worden, war jedoch auf Grund eines allgemeinen Amnestiegesetzes freigekommen. Zehn Jahre später wurde diese Begnadigung für nicht verfassungskonform erklärt. Und das ist keineswegs das Ende. Im August kommt eine neue Salve, wegen anderer Verbrechen, und noch später muss er sich wegen seiner Mitwirkung am Plan Condor verantworten, jener gemeinsamen Operation der Diktaturen in Argentinien, Chile, Paraguay, Brasilien, Bolivien und Uruguay gegen ihre politischen Gegner in den 70er Jahren. Damals wohlgemerkt mit Zustimmung und unter Mitarbeit der CIA und auch mit logistischer Unterstützung durch Frankreich: ehemalige Offiziere und Folterspezialisten aus dem Algerienkrieg (hoppla, da ist er wieder, der Papon!) wurden über den ganzen Kontinent verteilt zwecks Verbreitung von Methoden eines schmutzigen Krieges.