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Das panamerikanische Gipfeltreffen war gerade zu Ende, Barack Obama war ins weiße Haus zurückgekehrt, die Kritiker hatten sein Lächeln beim Händedruck mit dem venezolanischen Präsidenten übel vermerkt... Als die Sache publik wurde, konnte man sich nur fragen: ist das ein Angriff seitens der CIA oder ein schlechter Streich von Hugo Chavez? Die Sache, das ist jene Meldung unter "Verschiedenes", die am 21. April Florida erschütterte. Einundzwanzig Pferde der venezolanischen Polomanschaft waren innerhalb von wenigen Minuten tot umgefallen, als sie zu einem der international bedeutensten Turniere der Disziplin angetreten waren. Den anwesenden Pferde- und Poloexperten verschlug es die Sprache. Der Direktor der Polovereinigung der Vereinigten Staaten kommentierte nur nüchtern: "ich betreibe diesen Sport seit 50 Jahren, so eine Tragödie habe ich noch nie erlebt".

Erste Untersuchungen ergeben, dass die Pferde an einem Lungenödem und einer Hämoraghie zugrunde gingen, aber die Ursache dafür ist noch unbekannt. Natürlich kam auch sofort der Doping-Verdacht auf, es gibt da insbesondere eine Mischung aus stärkenden Vitaminen, das Biodyl, das in den Vereinigten Staaten verboten ist, jedoch nicht in anderen Ländern, und das in Argentinien hergestellt wird. Die Amerikaner haben also gleich mit dem Finger auf die Venezolaner gezeigt, die ihrerseits das Herstellerlabor in Buenos Aires aufs Korn nahmen. Fünf Pferde haben überlebt, nämlich die, die nicht gedopt wurden, weil sie Gefahr liefen, kontrolliert zu werden...

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Die Huftiere gehören einem der reichsten Männer in Caracas, dem Bankier Victor Vargas, dem mächtigen Direktor der Felaban, der Föderation lateinamerikanischer Banken, der dem gegenwärtigen Regime nicht eigentlich nahesteht. Aus dem Nuevo Herald erfahren wir, dass seine Tochter Louis Alfonso de Bourbon, Herzog von Anjou und Urenkel von Franco geheiratet hat (man weiß ja nie, vielleicht steckt also die ETA hinter dem Attentat?). Mir nichts, dir nichts hat Viktor Vargas zwei Millionen Dollar verloren (nicht nur die Börse verzeichnet gegenwärtig Verluste), die ihm die Versicherungen ohne Zweifel bald erstatten werden.

Wie der Zufall will, fällt das Ereignis mitten in die Auseinandersetzung der Pferdezüchter mit der Regierung Venezuelas. El Universal weist darauf hin. Der Minister für Landwirtschaft und Territorialverwaltung, Elías Jaua, gab gerade bekannt, dass zugunsten der Nahrungsmittelproduktion 4300 Hektar konfisziert wurden, zum großen Teil Ländereien und Weideland privater Pferdezuchtbetriebe. Die Züchter wollen Widerstand leisten und erklären, dass mit dieser Maßnahme einer der bedeutensten Wirschaftszweige Venezuelas in seiner Existenz bedroht sei! Nun fehlt allerdings noch eine Information: stammen die auf dem Altar des Polospiels geopferten Pferde aus eben den Zuchtbetrieben, die einer besseren Ernährung der Bevölkerung zum Opfer fallen?