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Die Schlagzeilen hätten lauten können: Neapel von einem Müllhaufen zum anderen. Beim Lesen der italienischen Presse in dieser Woche konnte man ein déjà-vu-Erlebnis haben. Nur hat man in Wirklichkeit sowas noch nie gesehen, außer vielleicht in ganz alten Western. Über 1300 napolitanische Anhänger von Calcio Napoli, dem lokalen Fußballklub, stürmten am Sonntag morgen einen ganzen Zug im Zentralbahnhof von Neapel. Grölend und rülpsend herumlaufend, bewaffnet mit Knallkörpern, Messern, ja selbst mit Hämmern, berichtet Luigi Carbone in der Republica, hätten sie sämtliche Passagiere aussteigen lassen und den Zug nach der Hauptstadt, wo ihre Mannschaft gegen AS Rom spielte, in Beschlag genommen. In den Waggons haben die Tifosi alles kurz und klein geschlagen, die Abteile verwüstet und verdreckt, die Scheiben eingeschlagen, die Toiletten und die Sitze zerstört. Schaffner wurden belästigt und vier Bahnbedienstete sind verletzt. Trotz des Chaos setzte sich der quasi all seiner Eingeweide beraubte Zug in Bewegung. Und trotz wiederholter Zwischenfälle während der Reise, kam er mit mehr als drei Stunden Verspätung in Rom an.

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Am Ziel angekommen wurde die Horde Aufständischer neuen Genres von gegnerischen Anhängern erwartet und zwischen beiden standen ein paar Polizeibataillone, fest entschlossen, die Welten miteinander zu versöhnen. Von Attacke zu Gegenattacke glich der Bahnhof Roma Termini mehr und mehr einem Schlachtfeld. Nicht wenige Lädierte wurden abtransportiert und die Kosten schätzt man auf 500 000 Euro. Die napolitanischen Fans sind als die gewaltätigsten in ganz Italien bekannt, sie haben die Ehre der größten Zahl von Verurteilungen und die Presse fragt sich: soll man sie oder soll man sie nicht aus dem Stadion verbannen.

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Eine Frage die regelmäßig auch in Großbritannien gestellt wird mit Bezug auf die Anhänger von Manchester United oder Chelsea FC. Aber am Dienstag machte nicht diese Seite des Fußballs die Schlagzeile des Independent. Diesmal ging es um den VerKauf des Vereins von Manchester für Ölmillionen. Ein englischer Verein nach dem anderen fällt in ausländische Portmonnaies. Der Neuankömmling auf diesem Terrain heißt Sulaiman Al-Fahim, und er mutet an wie das Spiegelbild von Roman Abramowitsch, dem Goldjungen und russischen Oligarchen, der den vornehmsten der Londoner Klubs besitzt.

Er ist 31 Jahre alt, kam in Abu Dhabi auf die Welt, begann seine Laufbahn im Finanzwesen und schon als Junge kaufte und verkaufte er pharaonische Besitztümer im Namen seiner eigenen Gesellschaft, die sich auf Wolkenkratzer und Luxushotels in aller Welt spezialisiert hat.

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Vielleicht versuchte der junge Mann auf diese Weise seine Enttäuschung über eine misslungene Karriere als Fußballer zu überwinden - doch im Alter von neun Jahren war er am Schachbrett - auch so ein Revier der Russen - viel besser und brachte es zum fünfbesten Spieler der Welt. Heute ist er als einer der Herren der City anerkannt, sponsort die Mannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate bei den Olympischen Spielen in Peking (wir müssen gestehen, dass uns ihre Erfolge entgangen sind) und zählt zu den "hundert mächtigsten Arabern der Welt". Was haben Russland und die Königreiche am Golf gemeinsam? Natürlich das Öl, das man wiederum in Italien nicht findet...