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Wenn man die Titelseiten jenseits des Rheins, aber auch in Oesterreich und in der Schweiz sieht, sagt man sich, diese Frau wurde zur Legende ebenso wie die Bewegung, der sie angehörte. Brigitte Mohnhaupt (heute fast sechzigjährig) kommt frei. Auf Bewährung natürlich, nach 24 Jahren Haft, nachdem sie fünfmal und für neun verschiedene Morde zu Lebenslänglich verurteilt wurde. Damals war sie 33 Jahre alt, so alt wie Jesus, und das ist kein zufälliges Zusammentreffen angesichts der einfachen Ansichten von der Welt, die die Rote Armee Fraktion und andere terroristische Organisationen im Europa der sechziger Jahre und besonders in Deutschland verbreiteten. Das Gute und das Böse, schwarz-weiß, das gute Volk und die bösen Regierenden: ganz wie bei den russischen Nihilisten ein Jahrhundert früher.

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Aus der International Herald Tribune erfahren wir, dass Mohnhaupt aus Rheinberg (in Nordrhein-Westfalen) stammt, aus gutbürgerlichem Haus, und dass sie in München Geschichte und Englisch studierte. Sie gehörte zur zweiten Generation der deutschen Terroristen. Die Gründer, Andreas Baader und Ulrike Meinhof, hatten sich im Herbst 1977 im Hochsicherheitstrakt in Stuttgart-Stammheim "selbst ermordet". Das Jahr 1977 war das mörderischste für die Opfer der RAF, ein Chef der Dresdener Bank und der Präsident der Arbeitgeberorganisation wurden erschossen. Mit 22 Jahren war die laut Presse und Polizei "gefährlichste Frau Deutschlands" in den Untergrund gegangen. 11 Jahre später wurde sie festgenommen. Im Ganzen hat sie damit 35 Jahre hinter Gittern und hinter den eigenen inneren Mauern verbracht.

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Mohnhaupts vorzeitige Freilassung hat, vorallem im sehr konservativen Bayern, zu einer Polemik geführt, in der sogar von "einer Perversion der Justiz" die Rede war. Aber Andere, auch Funktionsträger in jener Zeit und selbst bedroht, erklären, daß es mit der Freilassung seine Richtigkeit habe: "Ein Rechstaat kann es sich leisten, auch einer lebenslänglich Verurteilten die Chance zur Freiheit zu geben", sagt der liberale ehemalige Innenminister Gerhard Baum. Brigitte Mohnhaupt, die also zum 27 März frei kommt, hat im Gegensatz zu zahlreichen reuigen Terroristen von damals keine Gewissensbisse geäußert und will mit den Medien nichts zu tun haben. Was für ein Bild wird sich diese unverbesserliche "Großmutter" von der Welt machen?

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Oft ist die dunkle Periode in Büchern und Filmem verarbeitet worden. Sie ist sicher nicht ohne Bezug zur noch dunkleren der Hitlerzeit und zum kalten Krieg zu sehen. Filmemacher haben versucht, Verbindungen herzustellen, Erklärungen zu geben: Fassbinder (mit zehn anderen Filmemacher/inne/n) hat mit "Deuschland im Herbst" ein Selbstporträt in zehn Kurzfilmen versucht; Schlöndorff hat in "Die drei Leben der Rita Vogt" die Flucht in den Osten, in ein andere Unfreiheit, einer jungen Frau geschildert, die ihre Vergangenheit als Terroristin nie mehr losließ; und Margarethe von Trotta erzählt in "Die bleiernen Jahre" die sich kreuzenden Lebensgeschichten zweier Schwestern, die eine Terroristin, die andere Journalistin. Neuerdings hatThomas Elsaesser in einem Essay versucht, die Bewegung weder entschuldigend noch als Anathema nachzuzeichnen.

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A propos Terrorismus: El Nacional de Caracas verblüfft mit der Schlagzeile: "Al Qaida bedroht die Ölanlagen Venezuelas!" Konteradmiral Luis Cabreran, Mitglied im Stab des Präsidenten, und beauftragt, dieser Bedrohung nachzugehen, zeigte sich sehr erstaunt über die Absicht, einem Land schaden zu wollen, das für seinen Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus bekannt ist: "Die Nachricht muss unbedingt geprüft werden, es scheint vollkommen unlogisch, das die Al Qaida, die gegen nordamerikanische Hegemonie kämpft, sich gegen ein Land wendet, das genau wie sie, nur mit anderen Mitteln gegen diesen Imperalismus streitet." Vielleicht liegt es an diesem "nur mit anderen Mitteln". Oder es liegt an der Ölindustrie, dass es zu dieser Verwirrung kommt.

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Auf der anderen Seite des Atlantik entdecken als Terroristen verurteilte Gefangene die Liebe, berichtet Aujourdhui le Maroc. Salafisten waren nach den Attentaten vom 16 Mai 2003 zu schweren Strafen zwischen 10 und 20 Jahren verurteilt worden. Jetzt wollen sie im Gefängnis heiraten. Fünf unter ihnen drohen schon mit unbegrenztem Hungerstreik, wenn ihrer Forderung nicht stattgegeben wird. Menschenrechtler meinen, man solle sie (wie schon andere) gewähren lassen, die Maßnahme käme allen zu Gute, weil sie die soziale aber auch die politische Resozialisation fördere. Marokko gewährt Gefangenen ungefähr einmal alle 20 Tage ein Recht auf eheliche Intimität.